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Fuerteventura, Costa Calma

Ein Urlaub auf der Kanarischen Insel im Juli 2000

Die Landung auf der Insel verlief reibungslos und ohne weitere Zwischenfälle. Die Arbeitertrupps hatten gute Arbeit geleistet, so dass der Shuttle problemlos andocken konnte. Durch eine Schleuse gelangten wir auch ohne weitere Verzögerungen zum Transporterbereich, wo uns schon die Crew unseres Reiseveranstalters in Empfang nahm, sofort in Gruppen einteilte und auf die einzelnen Fahrzeuge verteilte. Wie erwartet schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel und die Temperaturen waren recht angenehm, so dass wir auch keine besonderen Schutzanzüge anlegen mussten.

Die Landestation liegt unweit des zur Hauptsiedlung erkorenen Puerto de Rosario, ungefähr auf der Hälfte der Insel dieses Planeten. Auf der Fahrt zu unseren Unterkünften erklärte man uns gleich, dass Puerto de Rosario den Einheimischen vorbehalten bleiben sollte, dort gäbe es für die Kurzzeitreisenden nichts, was sehenswert wäre. Weder hätten die Entdecker dieses Abschnittes historische Bauten errichtet, noch wurden wesentliche Mittel in die Zukunft investiert.

Auf der Fahrt in den südlichen Sektor starrte uns die Eintönigkeit der erwarteten Mondlanschaft an. Unbewohnte, unbewachsene Ebenen mit Geröll, Steinen und Felsen wechselten mit Berglandschaften, deren kahle Felsen dumpf in der Sonne schmorten. Die meisten Ureinwohner haben diese unwirtlichen Stätten schon vor langer Zeit verlassen, nach dem sie die letzten Bäume und Büsche abgeholzt hatten und der steinige, karge und unfruchtbare Boden nichts mehr lebenswertes hergab; nur Ziegen blieben zurück, die es wohl schaffen, dem Boden die letzten Mineralien abzuschlecken und die letzten aufkeimenden Sprossen auszurupfen. Arbeitertrupps hatten jedenfalls eine passable Strecke planiert, so dass wir in unseren Fahrzeugen zügig vorankamen. Die noch verbliebenen Bewohner dieser Insel benutzen mehr die Trampelpfade, die sich mit der Zeit zwischen den Geröllhalden, Kratern und Felsen eingegraben haben. Der Nachschub klappt wohl auch nicht mehr so wie früher, denn die alten Fahrzeuge, die hier benutzt werden, sehen sehr klapperig und schon mehrfach notdürftig repariert aus. Sie müssen halt den wideren Verhältnissen hier Tribut zollen.

In jüngster Vergangenheit setzt man immer mehr auf den Tourismus und entringt der kargen Landschaft künstliche Siedlungen, wie zum Beispiel Costa Calma, direkt am Meer gelegen. Die ersten, die hier bauten, sorgten sofort dafür, dass das Ufer gleich hinter dem Strand mit blumengeschmückten Terrassenhotels aus Beton befestigt wurde. Der freie Zugang zum Strand ist aus Sicherheitsgründen nur alle paar hundert Meter gesichert.

Die Gründer dieser als Ferienorte konzipierten Siedlungen erkennt man leicht an den Straßennamen wie Avenida Jahn Reisen oder Plaza Hapag LLoyd. Der Vorteil solcher Konzepte liegt auf der Hand: Die Invasoren aus dem Vereinigten Königreich werden so abgehalten hier einzufallen und die Pooliegen zu besetzen. Ihnen wurden weiter nördlich der Insel Sektoren zugewiesen, wie zum Beispiel die Siedlung Corralejo, von der man aus über das Meer zur Nachbarinsel Lanzarote sehen kann. Hier haben sich die Invasoren Straßencafes, Pubs, Super Markets und Boutiquen nach ihrem Geschmack und ihren Bedürfnissen errichtet. Tagsüber verbringen sie in der Regel damit, ihre weiße Haut an den leuchtend gelben breiten Sandstränden der Sonne auszusetzen, um die gleiche rote Farbe zu erlangen, wie sie schon die Ureinwohner Amerikas.

Zurück zur Costa Calma. Wie gesagt, halten sich hier und im weiter im Süden liegenden Ort Jandia vorwiegend die eigenen Landsleute auf, die dort zum Beispiel in mit viel Blumen geschmückten Touristenbunkern untergebracht sind, die sich hinter einer breiten, flachen Strand- und Dünenlandschaft und der Nord-Süd-Durchgangsstraße neben Discos, Bierkneipen und Super Markets an den Berghängen aufstapeln.

Das Betreuungspersonal rekrutiert sich natürlich aus den noch verbliebenden Einheimischen, die mittlerweile auch unsere Sprache gelernt haben. Den Kulturschock haben sie mit der Zeit auch gut überwunden, denn nachdem wir die Schutzmauern des Lagers passiert hatten, empfing uns eine wirklich hübsch aufgemachte Ferienanlage. Sie wurde, wie alle anderen dieser Systeme auch, mit viel Aufwand den Geröllmassen und Felsen entrungen. Anschauungsunterricht, wie die Pioniere vorgehen, gab es gleich nebenan, wo schwere Planierraupen und Dampframmen mit viel Getöse die Grundsteine für ein weiteres Lager legten.

Uns brachte man in der 3* Bungalow Anlage El Sol La Paz unter, die mit der übergangslos erreichbaren 4* Anlage Royale Suite einen gemeinsamen Bereich bildet. Jede hat zwar ihren eigenen Pool, doch die Versammlungsplätze wie z.B. das Restaurant und die Rezeption werden gemeinsam genutzt. Der Sterneunterschied besteht wohl darin, dass das La Paz älter ist, aber dafür den schöneren Garten hat, und das Royale Suite eine moderne, aber platzsparende Architektur der Bungalows aufweist. Der fruchtbare Boden, auf dem nun Rasen, Palmen sowie subtropische Pflanzen gedeihen, musste mühsam von der Nachbarinsel Lanzarote herangeschafft werden; genauso ist die gesamte Palmen- und Pflanzenwelt eingeflogen worden, mangels Vorhandensein auf dieser Insel.

Nach dem Reisestreß tat uns der Aufenthalt in dieser abgelegenen, absolut ruhigen Umgebung gut, vom täglichen Baulärm einmal abgesehen. Abends durfte man das Lager verlassen und man traf andere Ruhesuchende, die ebenfalls aus ihren mit Mauern umgebenen Lagern die Plazas und Avenidas bevölkerten, auf der Suche nach etwas Unterhaltung. Wenige Stunden nach dem Eintritt der Dunkelheit, die hier besonders schön zu beobachten war, wurden die Anlagen verschlossen und es herrschte Bettruhe. Das kam natürlich den vielen Familien mit Kindern entgegen, die so ihren Nachwuchs vor dem schädlichen Einfluß der Vergnügungsindustrie fernhalten konnten. Trotzdem drang aus vereinzelten Lagern immer wieder Musik und lautes Lachen heraus, hervorgerufen durch gelegentlich veranstaltete bunte Abende.

Exkursionen außerhalb der Lager wurden uns nicht weiter empfohlen, wir waren schließlich mit All Inclusiv versorgt. Es konnten natürlich Transportmittel, zum Beispiel in Form von vierrädrigen Fahrzeugen, die sich durch eine langjährige Nutzungsdauer im Bereich der Geröllhalden auszeichneten, angemietet werden, genauso, wie selbst angetriebene zweirädrige Drahtesel, sogenannte Mountainbikes, mit denen man über die Trampelpfade hoppeln oder sich auf künstlich hergerichteten Fun-Parcours zu der ein oder anderen lauschigen Bucht mit naturbelassenem Strand durchschlagen konnte.

Nach Abschluß unseres vierzehntägigen Aufenthaltes traten wir vollkommen erholt von der uns kontinuierlich immer frühlingshaft wohltemperierten Beatmung die Rückreise auf unseren Planeten an. So schnell werden wir wohl auch keine Gelegenheit auslassen, nicht wieder hierher zurück kommen zu müssen. (TOP)

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