| Einleitung | Die Ankunft | Das Hotel | Die Verpflegung |
| Kemer | Wetter | Schlußwort |
Es wird immer schwieriger im Süden Urlaubsziele zu finden, in denen es im frühen Frühjahr schon ausreichend warm ist, in die man bedenkenlos reisen kann und die zu erschwinglichen Preisen zu haben sind. Lange Zeit konnte ich meine Familie davon überzeugen, das die Türkei zu den Ferienzielen gehört, die man meiden muss, doch letztendlich setzte sich meine Gattin durch und überredete mich zu einer (Schnupper)- Woche in die Türkei. Rhodos sei, von Kemer aus gesehen, schließlich gleich um die Ecke, versuchte sie mir den Ort nordwestlich von Antalya schmackhaft zu machen, so dass Griechenland sozusagen in Sichtweite wäre. Ich konnte meine Aversion gegenüber der Türkei auch nicht länger mehr begründen, weil ich niemanden mehr fand, der Schlechtes über die Türkei als Urlaubsland zu berichten wusste. (TOP)
Die Paßkontrolle in Antalya war zwar nervig, aber das ist überall auf der Welt so, wo uniformierte Staatsdiener gewissenhaft die Paßbilder mit den vor ihnen stehenden Gesichtern vergleichen. Von Antalya wurden wir mit einem Bus an der Nordwestküste hinauf Richtung Kemer transportiert. Nein, es war wohl kein Sperrmüll, was an den unbefestigten Straßenrändern der breiten Straßen Antalyas gelagert und feilgeboten wurde. Es handelte sich offensichtlich um die verschiedensten Handwerksbetriebe, die sich sozusagen vor den Türen der kleinen garagenähnlichen Häuser ausbreiteten. Schließlich brauchten wir hier nicht einzukaufen und uns von den mit dunklen, verstaubten Jackets und schmuddeligen Hosen bekleideten Türken bedienen zu lassen.
Nach einer Stunde Fahrt und 45 Kilometern im modernen Reisebus über mit Schlaglöcher übersähte Straßen erreichten wir Göynük, einen kleinen Ort 7 Km vor Kemer. Der Bus fuhr auf den Parkplatz eines Pinienwaldes, an dem uns kahle Mauern aus Granitquadern, aufgeschichtet als Burgruine, empfingen. Hier sollte das All Inclusive Club-Hotel Kemer Holiday Village sein, das wir gebucht hatten. Nein, hier wollte ich nicht 8 Tage Urlaub machen. Mit vereinten Kräften und bisher noch nie gemachten Versprechungen überredeten mich Frau und Kinder doch auszusteigen und nicht sofort wieder zum Flughafen nach Antalya zurück zu fahren, um den nächsten Flug nach Griechenland zu nehmen. (TOP)
Der Spruch - man soll sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen - fand mal wieder seine Wahrheit. Nach dem Passieren der kahlen Mauern öffnete sich ein Innenhof mit Bänken und Blumen. Geradeaus führte der Weg durch ein mit wunderschönen Blumen geschmückten Baldachin hinein in die Anlage des All Inclusive Club-Hotels Kemer Holiday Village. Durch unaufdringliche Hotelbedienstete wurden wir zur Rezeption geführt. Das türkische Hotelpersonal sprach einwandfrei Deutsch und bediente uns sehr zuvorkommend und freundlich. Nach dem Einchecken betraten wir die Anlage durch den Baldachin auf mit vielen Blumenrabatten geschmückten Wege. Die Wohnhäuser standen mitten in einem Pinienwald, in einer sehr gepflegten Garten- und Parklandschaft, so daß die Größe der Anlage gar nicht offensichtlich wurde. Auf der anderen Seite der Straße setzte sich der Pinienwald fort bis ihm vom sich beginneden hoch auftürmenden Taurus-Gebirge Einhalt geboten wurde. (TOP)
An der Hotelanlage gab es nichts zu mäkeln. Die Zimmer waren zwar klein, aber sauber,
und sie hatten einen ordentlichen Standard. Allerdings wußte ich bis dahin nicht, wie
klein Fernseher sein können.
Die weitläufige Anlage war sehr gepflegt. Bunt blühende Blumenrabatten schmückten
abwechselnd mit üppig wachsenden mediterranen Pflanzen die Wege und Gärten. Am Ende des
Wohnbereiches begann der großzügige Poolbereich. Die große Poolbar grenzte an eine
Freilichtbühne, die als eine Art Burgtheater aus dicken Granitquadern mit Zinnen
konstruiert war. Das ganze machte allerdings, genauso wie der schon erwähnte
Eingangsbereich, einen kitschigen Eindruck. Hier war der Treffpunkt der Bewohner mit
vielen Sitzmöglichkeiten, im Freien oder auch unter Schatten spendenden Arkaden.
Hier konnte man gemütlich unter hohen Bäumen und von Vogelgezwitscher begleitet den
Tag mit ewigem Essen und Trinken verbringen.
Hinter der Poolbar schloß der laute Poolbereich mit den Liegewiesen an, der am groben, nicht
sehr breiten Sandstrand mit dem hoteleigenen Badesteg endete. Liegen und Sonnenschutz waren
vorhanden. Der Badesteg war recht nützlich, dann brauchte man nicht über die kiloschweren
abgerundeten Steine zu laufen, wollte man im Meer baden.
In der Anlage gibt es eine kleine Boutique einen Friseur, einen Lederwarenschneider und einen
Juwelier. Die Preise sind genauso günstig, wie im Ort Kemer. Ob die angebotene Markenware
wirklich immer echt ist? Die Leute sind sehr freundlich. (TOP)
Es gab immer irgendetwas zu essen. Wir haben das bisher reichhaltigste Frühstücksbuffet genossen, daß wir je auf unseren Urlaubsreisen gesehen haben. Nach dem Frühstück begannen drei Türkinnen in der Nähe der Liegewiesen auf einem heißen Stein Gözleme herzustellen. Das ist ein flacher ein dünner Teig, der mit Schafskäse gefüllt wird. Nicht so der Hit war eine interessant gewürzte Kartoffelmatsche als Füllung. Hier konnte man sich bis abends um 5 Uhr so viel holen, wie es die Warteschlangen zuließen. Natürlich gab es zwischen 12 und 14 Uhr ein leichtes Mittagessen auf einer großen Terrassen serviert, ab 16 Uhr gab es in einer anderen Ecke der Anlage Kaffee und Kuchen. Nicht viel weniger umfangreich und köstlich, genauso wie abwechselungsreich war das Abendessen, oft auch verbunden mit einem Show-Kochen vor dem Restauranteingang. Das Buffet sah natürlich eine halbe Stunde nach Öffnung des Restaurants nicht mehr so schön aus, aber an Nachschub fehlte es nicht. Diejenigen, die nach uns ein arg geplündertes Dessert-Buffet vorfanden, mögen das entschuldigen, aber unsere drei Kinder..... (TOP)
Der Dolmus Bus fuhr für wenig Geld nach Kemer. Das sollte ein kleiner netter Ort am
Meer sein. Die Straßen und Häuser waren sehr sauber, viel Blumen und Bäume schmückten
die Wege. Man könnte meinen, in einem Ferienort an der Ostsee zu sein, wenn, ja, wenn es
die Geschäftleute von Kemer nicht gäbe.
Es war nicht möglich einen Schritt auf den Fußwegen machen, ohne daß nicht einer dieser
überaus freundlichen Türken uns nicht in sein Geschäft ziehen wollte. Jeder wollte uns
dazu bewegen, nur mal eben zu schauen, nur mal eben einen Tee zu trinken, jeder bot uns
sein Geschäft als unser zu Hause an. Wie Gastfreundlich! Wie nervig! Das war
Spießrutenlaufen pur. Es war nicht möglich sich die Schaufenster oder die Auslagen
anzusehen, oder eine Speisekarte zu lesen, ohne dass uns einer dieser Nervensägen
unbedingt wortreich und überaus freundlich in sein Etablissement hineinlocken wollte.
Meter für Meter kämpften wir uns voran. Durch die Fußgängerzone wollten wir an die
Strandpromenade. Wir schafften es nicht! Am Anfang antworteten wir noch freundlich mit
Nein Danke, nein, wir wollen nur schauen, nein, wir wollten nur spazieren gehen, nein, wir
wollen nur laufen, nein, wir wollen nichts kaufen, nein, wir wollen nichts essen, nein,
wir wollen nichts trinken, nein, vielleicht später, nein, nein, nnnneeeeeiiiinnnn!
Der Alptraum nahm erst ein Ende, als wir uns, ich weiß nicht wie, wieder zur Busstation
durchschlugen. Hier konnte man es aushalten, denn es gab keine Händler; hier wurden wir
nur 20 mal angesprochen, ob wir nicht (damals noch) Deutsche Mark in Türkische Lira
tauschen wollten.
Den Rest der Woche trauten wir uns kaum noch aus unserer Anlage heraus, und wenn, dann nur
dahin, wo es keine Geschäfte gab. Ob die Türken sich gegenüber Touristen überall in
der Türkei so verhalten? Vielleicht hat es ja auch daran gelegen, dass wir zu Saisonbeginn
hier waren. Ich weiß es nicht, und ich weiß nicht, ob ich es noch mal woanders ausprobieren
möchte. (TOP)
Mit dem Wetter kann man Anfang April rund um das Mittelmeer Glück oder Pech haben. Wir
hatten beides. Sonnige Tage mit 24 Grad im Schatten, wechselten mit bedeckten Tagen bei 17
Grad. Einmal weckte uns morgens um 5 Uhr ein Gewittersturm, wie wir ihn schlimmer nur in
Florida erlebt hatten. Es stürmte, regnete und hagelte bis in den Vormittag. Auf den
Wegen stand das Wasser knietief, so dass wir barfuß, in einer Hand die Schuhe in der
anderen den Regenschirm balancierend zum Frühstücksrestaurant wateten. Das Gemeine aber
war, dass der Boden bedeckt war mit murmelgroßen Hagelkörnern.
Der Sturm peitschte die Wellen so brutal gegen den Badesteg, dass der, gerade zwei Tage
zuvor hergerichtet, dem Boden gleich gemacht wurde. Am Nachmittag war alles vorüber. Die
Sonne kam hervor, die Wind legte sich und am Abend hatten wir einen phantastischen
Sonnenuntergang. (TOP)
Ich muß dem Hotel bewundernd ein Lob aussprechen. Nach dem Gewittersturm war der Badesteg praktisch verschwunden, die vielen schönen Blumenrabatten durch die Überschwemmung gänzlich zerstört, die Liegewiese eine Sumpflandschaft. Von der Zerstörung durch die Naturgewalten war zwei Tage später nichts mehr zu sehen und es erinnerte nichts mehr an diesen verherenden Morgen. Die Liegewiese wurde trocken gelegt, der Badesteg wieder hergerichtet und die Blumen wurden sofort wieder ersetzt. (TOP)