Rundreise Nordost USA und Kanada im Sommer 2003

Anreise Boston [1] , Zielort und Abreise New York [10] Driving distance: 2050 Miles ~ 3300 Kilometer
| Nr. | Stationen | Entfernung (miles) | ca. Fahrzeit (h) |
| [1] | Boston 3 Nächte | ||
| [2] | Montréal 2 Nächte | 318 | 6 |
| [3] | Kingston Abstecher | (nach ca. 180) | |
| [4] | Toronto 1 Nacht | 334 | 6 |
| [5] | Niagara Falls, Canada 1 Nacht | 104 | 1,5 |
| [6] | via Erie nach Akron 1 Nacht | 246 | 5 |
| [7] | Cincinnati | 271 | 5 |
| [8] | Morgantown 1 Nacht | 340 | 6 |
| [9] | Washington D.C. 2 Nächte | 210 | 4 |
| [10] | New York City 4 Nächte | 224 | 5 |
Zu meiner Ehrenrettung muss ich aber dazu sagen, dass mein Routenplaner nicht immer die Terminilogie
der aktuellen Ausschilderung beherrscht. Dort wo es auf Straßennamen ankam bot er mir Straßennummern,
oder umgekehrt. Oder die Hinweisschilder gaben ein Ziel an, dass der Routenplaner nicht auswies.
Erstaunlicherweise hatte ich auch nur in Boston diese Probleme, in allen anderen noch folgenden
Städten konnte ich mich fast reibungslos orientieren. Es ist immer wichtig zu wissen, in welche
Himmelsrichtung man will. Ausschilderungen haben immer den Zusatz North, South, West, East. Das
hilft sehr, wenn man sich verfahren hat.
Schlauerweise hatte ich die Abfahrt in Boston auf einen Sonntag morgen fallen lassen, so dass das Auffinden der Interstate 93 Nord vom Hotel aus bei wenig Verkehr durch Boston trotz der Baustellen reibungslos verlief. Der Verkehr auf der Interstate Richtung Norden war zur frühen Morgenstunde dann allerdings wieder stärker. Vor Concord wurde einmal 2 US$ Zoll verlangt, sonst hatten wir auf guten Straßen freie Fahrt.
Mit neugierigen Blicken suchten wir die Gegend ab, die im Herbst die Touristen wegen des Indian Summer anlockt. Auf dem kurvenreichen Highway der Interstate 89 fahrend, ist leider nicht viel von der Landschaft zu sehen, weil die Straße ständig von hohen Bäumen begrenzt ist. Erst oben in den Bergen, irgendwo auf einem Rastplatz in New Hampshire, konnten wir den Blick endlich mal über die Wälder schweifen lassen.
Wir kamen gut voran. Zur Mittagszeit erreichten wir Burlington, Vermont. Wenig später passierten
wir die kanadische Grenze. Die Zollbeamtin prüfte unsere Pässe und wollte genau wissen
wohin wir wollten und wie lange wir in Kanada blieben, und schon fuhren wir auf der kaum befahrenen
Straße weiter Richtung Montréal. Straße und Gegend waren menschenleer, ja so hatten wir uns Kanada
vorgestellt.
Als wir auf die Autoroute 10 Richtung Montréal einbogen, glaubten wir erst an einen Stau wegen
einer Baustelle. Der Stau löste sich aber gar nicht auf und wir fuhren auf der vierspurigen
Autobahn Stoßstange an Stoßstange mit 90 Km/h die 50 Km bis Montréal
hinein. -In Kanada
gelten wieder Kilometerangaben-.
Die Orientierung in Montréal ist recht einfach, so dass wir das Hotel auch schnell fanden.
In der Stadt bewegten wir uns mit der Metro. Nur kurz nahmen wir das Auto, um auf den
Mont Royal, den Hausberg, zu gelangen. Das Fahren hier war wie zu Hause. Ungewohnt
sind nur die Ampelphasen für Abbieger. Sie blinken erst und wenig später leuchten sie Grün.
Bei blinkendem Grün muss man mit Gegenverkehr rechnen bzw. haben Fußgänger
Vorrang, bei leuchtendem Grün darf man Gas geben und hat Vorrang.
Weil die zurückzulegende Strecke heute mit zu den weitesten gehörte, saßen wir schon um 8:00 Uhr im Auto. Zügig ging es auf die Autobahn und genauso zügig gerieten wir in die Rushhour. Dreispurig bewegte sich die Autokarawane im Schritttempo westwärts. Wer hat mir nur das Märchen von den wenigen Menschen in einem riesigen Land erzählt. Eine Stunde dauerte es, bis wir Montréal hinter uns gelassen und 25 Km geschafft hatten. Ich sah meinen Zeitplan für diesen Tag schon schwinden.
Auf dem flachen Land löste sich der Stau zwar auf, jedoch der Verkehr Richtung Toronto war immer noch dicht, vergleichbar dem unserer Autobahnen in Deutschland.
Mit 90 KM/h kommt man noch langsamer voran als auf den Highways in den USA. Es geht einfach einfach nicht vorwärts. Ständig wird man auf Hinweistafeln auch auf die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit mit den dazugehörigen Geldbußen im dreistelligen $-Bereich hingewiesen. Unauffällig auffällig parken alle paar Meilen Autos mit der Aufschrift Sheriff auf dem breiten Mittelstreifen.
Gegen Mittag erreichten wir Kingston, am Nachmittag den Großraum Toronto. Zuerst wird die Autobahn dreispurig, dann vierspurig, anschließend achtspurig. Jawohl, 8 Spuren führen in eine Richtung, 16 Spuren in beide Richtungen und auf allen Spuren ein Verkehr Stoßstange an Stoßstange bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Hier hält sich niemand an die vorgeschriebenen 90, wer sollte das auch bei diesem Verkehr kontrollieren.
Zum Abendessen machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant im östlichen Teil Torontos.
Kreuz und quer, bei leichter Orientierung, passierten wir den mittleren Orient -
also das Indien Viertel-,
dann Soweto - also das Schwarzen-Viertel -; beide luden nicht gerade zum
Einkehren ein. Dann landeten wir im Ostasiatischen Viertel, nicht zu verwechseln
mit Chinatown in Toronto Downtown. Es wurde schon leicht Dunkel. Das war zu spät für
diese Gegend. Ein Chinarestaurant neben dem anderen, ergänzt durch japanische,
Vietnamesische und Thailändische Restaurants, mit riesigen Parkplätzen, und dichtem
Parkplatzsuchverkehr, weil alle Parkplätze belegt waren.
Das BicMac-Meal bei McDonalds in der Nähe unseres Hotels aßen wir dann mehr mit Widerwillen.
Der Parkplatz am Tower kostete uns 6 Can$ die Stunde, das war noch verhältnismäßig günstig, wie wir bei den Niagarafällen feststellen mussten. Dort sollte es uns das Doppelte kosten.
Von Toronto nach Niagara sind es nur knapp 1 ½ Stunden auf dem QEW, dem Queen Elizabeth Express Way mit viel Verkehr. Im Niagara-District verließen wir den QEW, um ein wenig gemütlich über Landstraßen zu fahren. Der Entschluss wurde belohnt durch ein Restaurant mit Europäischer Küche, die ihren Namen verdiente. Gutes Essen, nicht sehr teuer, schönes Ambiente innen. Beinah wären wir nicht hineingegangen, weil die Hütte von außen eher den Eindruck einer baufälligen Spelunke machte.
Das Hotel in Niagara war leicht zu finden, der Ort ist auch nicht gerade sehr groß.
Von der Routenplanung "rauf auf den QEW und schnell vorwärts" brachte mich die Verlockung ab, direkt am Niagara Fluss hinauf bis zum Eriesee bei Fort Erie zu fahren. Wir wurden mit einer herrlich ruhigen Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft belohnt. Eine gute Landstraße ohne Verkehr dem Flusslauf direkt am Ufer folgend, mit wunderschönen Aussichten auf den Fluss auf der linken Seite, in einer parkähnlichen Landschaft, in der großzügig angelegte Villen auf der rechten Seite die Straße säumten.
Ohne große Kontrolle reisten wir in Fort Erie wieder in die USA ein. Beseelt von der Fahrt am Niagara entlang suchte ich desgleichen auf der US 5 am Eriesee nach Erie zu finden. Uns erwartete eine gute Landstraße, wenig Verkehr, aber leider nur hin und wieder einen freien Blick auf den Eriesee. Die Landschaft ist sehr waldreich, unterbrochen durch Weinanbaugebiete.
Eigentlich wollten wir bei Erie ein Motel suchen, doch es war erst Mittag, als wir den Ort erreichten. Nach dem obligatorischen Besuch einer dieser Fast Food Ketten, auch weil wir mal mussten, ließen wir den Wagen rollen bis hinter Cleveland, um irgendeine Ausfahrt zu nehmen, die mit Hotels warben. Wir landeten in Medina, OH, an der I70, südlich von Cleveland.
An Columbus vorbei folgten wir der Interstate nach Osten Richtung Pittsburgh, um kurz davor nach Süden Richtung Washington abzubiegen. Weil es bis Washington für eine Tagesreise zu weit war, hatten wir in Morgantown, südlich von Pittsburgh ein Hotel reserviert. Diese Reservierung wäre nicht nötig gewesen, an jeder Interstateausfahrt gibt es Hinweisschilder zum Übernachten in einschlägig bekannten, weltweit vertretenen Hotelketten.
Weil wir wieder früh dran waren, entschlossen wir uns in Wheeling, am Grenzdreieck Ohio- Pennsylvania-West Virginia die 80 Meilen auf der Landstraße nach Morgantown zu fahren, um ein wenig Land und Leute zu sehen, anstatt immer nur die Betonpiste.
Es wurde ein Ritt auf einer drittklassigen und kurvenreichen Landstraße, durch eine dem Voralpengebiet ähnlichen Gegend. Mit max. 50 Km/h, ging es in endlosen Kurven Berge hinauf, und Berge wieder hinunter, und wieder hinauf und hinunter. Am Anfang war das ja noch ganz schön, als es dann noch zu regnen begann und es dunkel im Wald wurde wünschten wir uns auf die Interstate. Zu allem Überfluss mussten wir auch noch 30 Meilen hinter einem langen Truck herfahren, der mit 25 km/h im Schnitt an seine Grenzen stieß. Wir konnten uns schon mal ausrechnen, wann wir Morgantown erreichten. Überholen ? Nein, das war bei der engen, unübersichtlichen Straße unmöglich.
Ach ja, bevor ich es vergesse, möchte ich dem ADAC herzlichen Dank sagen für das Kartenmaterial. Diese Straße war dort nämlich als Hauptstraße mit gerader Linienführung eingezeichnet und auch keine Spur von einem Hinweis auf eine bergige Strecke.
Der Routenplaner zeigte uns diesmal den richtigen Weg nach Downtown in Washington. Nur einmal war ich mal wieder auf der falschen Spur, doch solch ein Abbiegechaos wie in Boston erlebte ich hier nicht. Das Hotel war schnell gefunden.
In angemessener Entfernung und somit unproblematisch umfuhren wir Baltimore und Philadelphia, nicht zuletzt, weil wir schön brav an den verschiedenen Mautsperren den Straßenzoll von insgesamt 11 US$ bezahlten. Auf der manchmal parallel führenden zollfreien Straße, war eine wesentlich höhere Verkehrsdichte wahrzunehmen.
Doch, je näher wir New York kamen, umso stärker nahm auch der Verkehr zu. Statt 65 mph (105 km/h) wurden nun 80 mph (130 km/h) gefahren. Na und, sagen sie? Aber 130 in den USA ist was ganz anderes als in Deutschland. Zum Einen können Amerikaner nicht autofahren, das steigert das Risiko. Dann sind die amerikanischen Autos für 105 km/h Dauergeschwindigkeit ausgelegt; fährt man ständig 130 km/h, fangen die an zu schwimmen. Abstand halten kennt man nicht. Lässt man dann doch mal eine Lücke von mehr als einer Autolänge entstehen, wird sie sofort von einem Springer, und wenn es ein Truck ist, geschlossen, und das bei 130 auf 4 Spuren in eine Richtung. Wie gesagt, alle fahren 130 auch die Reisebusse und die ewig langen und riesigen Lastwagen.
Interessant war auch die Verteilung der Fahrspuren. Die rechten beiden waren für Trucks und PKW, die linken beiden nur für PKW zugelassen und mit einem kleinen Grünstreifen, der jeweils von einer Betonmauer gesäumt wurde, getrennt. Wir wählten die linken Fahrspuren. Wie kommt man aber jetzt zur Raststätte, die rechts neben den rechten Fahrspuren liegt? Ganz einfach, die Amis haben eine Rampe gebaut, die über die LKW-Spur hinweg zur Raststätte führt. Zurück geht es dann auf die gleiche Art und Weise.
Die Abfahrt zum Flughafen ist 1 Meile vor Newark gut ausgeschildert, man muss aber Glück haben, diese Ausfahrt zu erwischen. Ich fuhr auch prompt an der ersten vorbei, weil ich sie von meiner Spur aus gar nicht erreichen konnte; aber, nur keine Panik, es gibt ja noch eine.
Mit der Vermieterstation erreichten wir das vorläufige Ende der Rundfahrt. Uns erwartete nur noch eine wahnwitzige Taxifahrt über ein unglaubliches Straßengewirr nach Manhattan. Wir alle waren bei der Hotelankunft durchgeschwitzt aber froh, die Taxifahrt überlebt zu haben. Ein Dankesgebet auch für die Fußgänger, die diesem Taxifahrer ausweichen konnten; beim Aussteigen suchte ich unwillkürlich den Wagen nach der Strichliste für erlegte Fußgänger ab. Nicht nur die Taxifahrer fahren hier jeden in Grund und Boden, der nicht gleich schnell und genauso zielsicher in die eigene Richtung fährt, wie sie selber.