Lothars Reiseberichte

Von St. Petersburg nach Moskau

Wir träumten immer schon davon, einmal nach Sankt Petersburg zu kommen. Egal wie. Mit dem Auto eher nicht. Auf eigene Faust trauten wir uns deswegen nicht, weil wir weder der russischen Sprache mächtig sind, noch kyrillische Schriftzeichen lesen können. Und lateinische Buchstaben gibt es nur in den Flughäfen, wie wir jetzt wissen.

Also blieb nur eine organisierte Reise. Da bot sich Anfang September 2019 für uns eine Reise mit dem Reiseveranstalter Trendtours an: mit dem Flussschiff von St. Petersburg nach Moskau unter dem Motto: Wolga-Wunder & Zarenzauber mit Trendtours.
Die Anreise begann mit dem Flugzeug von Frankfurt direkt nach St. Petersburg. Andere aus der Reisegruppe flogen von anderen deutschen Städten allerdings via Moskau nach St. Petersburg.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in einem Hotel, was wir als sehr angenehm empfanden. Das Hotel lag recht zentral in St. Petersburg. Eine Unterbringung auf dem Schiff wäre am Stadtrand gewesen. Die letzten beiden Tage in Moskau verbrachten wir ebenfalls in einem Hotel. Hier hätte ich mir lieber das schöne Schiff gewünscht als den riesigen alten Kasten von Hotel.
Mehr über die Unterbringung in beiden Hotels kann man weiter unten im Abschnitt Hotels nachlesen.

In St. Petersburg stand für beide Tage jeweils eine Stadtrundfahrt auf dem Plan. Da für die gesamte Tour rund 250 Reisende gebucht hatten, wurden wir zu Beginn, nicht nur für die beiden Tage, in 6 Gruppen aufgeteilt. Den deutschen Dieselfahrverboten sei Dank, wurden wir mit relativ guten Reisebussen deutscher Herkunft transportiert, die in Deutschland nicht mehr fahren dürfen. Alle wesentlichen touristischen Ziele wurden dabei angefahren. Unsere Reiseleiterin war sehr gut organisiert, las uns unsere Wünsche von den Augen ab und sprach ein sehr gutes Deutsch.
Extra hinzu gebucht haben wir dann wegen des schönen Wetters am ersten Abend eine Lichterfahrt zum Sonnenuntergang über die vielen Flüsse und Kanäle der Stadt. Ein sehr schönes Erlebnis. Die Krönung zum Abschluss in der Stadt sollte der Besuch der Eremitage werden.
Mehr über den Besuch der Stadt kann man weiter unten im Abschnitt St. Petersburg nachlesen.

Mit dem Flussschiff MS Russ begann am Abend des 2. Tages in St. Petersburg die Schiffspassage nach Moskau. Dabei legten wir in 6 Tagen 1718 km zurück. Die Reise begann auf der Newa, führte über den Ladogasee und Onegasee, über viele Flüsse und Kanäle, über die Wolga und schließlich über die Moskwa nach Moskau. 18 Schleusen haben wir dabei passiert. Die Schönheit und Unendlichkeit der Landschaft und die Ruhe beim leisen dahingleiten auf den Flüssen faszinierte uns immer wieder aufs Neue. Museen, Klöster, Kirchen mit Ikonen und Wandmalereien standen jeden Tag auf dem Programm, weil es halt zwischen St. Petersburg und Moskau außer der schönen Landschaft nichts anderes zu besichtigen gibt. Liebhaber russischer Geschichte, russisch-orthodoxer Religion und Kunsthistoriker kommen bei dieser Reise voll auf ihre Kosten.

Während der Schiffsreise war täglich ein Ausflug vorgesehen. Ein abendlich ausgeteiltes Infoblatt informierte über den Ablauf des kommenden Reisetages. Allerdings hatten wir beide irgendwann genug von Kirchen und Klöstern, denn die allwissenden gut Deutsch sprechenden jeweiligen örtlichen Reiseleiter gaben uns jedes Mal fast die gleiche russische Geschichtsstunde seit der Zarenzeit. Zusätzlich erfuhren wir die Kunstgeschichte der jeweiligen Ikonen und Fresken in den jeweiligen russisch-orthodoxen Kirchen und Klöstern.
Aber, das sei auch gesagt, bei allen Vorträgen merkten wir, dass Sie stolz auf ihr Land sind. Das machte alle sehr sympathisch auf dieser Reise. Denn zwischen April und September halten sie diese Vorträge mindestens jede Woche fünf Mal für jede Schiffsladung deutscher Touristen aller möglichen Reiseveranstalter - und deren gibt es viele.
Mehr über unsere Schiffstour kann man weiter unten ab Abschnitt Einschiffung nachlesen.

Moskau erreichten wir an einem Wochenende, an dem die Stadt ihr 752-jähriges Bestehen feierte. Das bedeutete, dass nicht nur die 14 Millionen Einwohner Moskaus unterwegs waren, sondern zusätzlich gefühlte 10 Millionen aus dem Umland plus 1 Million Touristen. Das Schiff legte mit gut 4 Stunden Verspätung im Schiffshafen am Stadtrand an. Nebel auf der letzten Strecke über Nacht und am Morgen verhinderte die pünktliche Ankunft.
Mehr über den Besuch der Stadt kann man weiter unten im Abschnitt Moskau nachlesen.

Um es gleich vorwegzunehmen, wir haben uns in Russland wohlgefühlt. Ein paar Brocken Russisch und kyrillische Buchstaben lernten wir praktischerweise auf dem Schiff, während unserer allerersten Kreuzfahrt überhaupt, sodass wir ganz gut zurechtkamen. Trafen wir ohne Reiseleitung auf russische Bürger, sind sie uns sehr freundlich gegenübergetreten, besonders wenn sie merkten, dass wir ein paar Vokabeln sprechen konnten. Dass wir als Deutsche identifiziert wurden, spielte keine Rolle.
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Reiseverlauf

Tag Tagesabschnitt Tag Tagesabschnitt
01 Flug nach St. Petersburg
und Transfer ins Hotel Moskau
07 Jaroslawl
Über den Rybinsker Stausee, die Wolga stromabwärts, nachmittags in Jaroslawl. Besichtigung diverse Museen und Kirchen
02 Sankt Petersburg
vormittags Stadtrundfahrt, nachmittags zur freien Verfügung oder extra: Besuch des Peterhofes
08 Uglitsch
Auf der Wolga stromaufwärts nach Uglitsch. Vormittags Besichtigung des Kreml
03 Sankt Petersburg
vormittags Stadtrundfahrt, nachmittags Eremitage, danach Einschiffung auf das Flussschiff und Fahrt über die Newa und Ladogasee
09 Vormittags Ankunft in Moskau
Ausschiffung, 1. Stadtrundfahrt und Transfer ins Hotel Salut
04 Mandrogi
Dorf mit Holzhäusern altrussischer Baukunst. Schaschlikessen in rustikalen Partyzelten. Weiter in den Onegasee
10 Moskau
vormittags Stadtrundfahrt, mittags Freizeit im Arbat Viertel. Extra nachmittags: Besuch des Kreml.
05 Museumsinsel Kishi
Freiluftmuseumsinsel Kishi und Besichtigung der Holzkirchen der karelischen Holzbaukunst. Über den Onegasee in den Wolgs-Baltik Kanal.
11 Rückflug nach Deutschland
Transfer vom Hotel zum Flughafen Moskau-Domodedowo (DME) und Rückflug.
06 Goritsy
vormittags über den Weißen See. Nachmittags Ankunft in Goritsy, Besichtigung des Kyrillov Klosters.

[1. Tag] Ankunft in St. Petersburg

Der Direktflug von Frankfurt landete pünktlich am Nachmittag in Sankt Petersburg. Nachdem wir den Flieger verlassen hatten und von der Gangway ins Gebäude eintraten, staute es sich plötzlich. Ein Flur führte geradeaus zu einer verschlossenen Tür, die Treppe neben dem Flur endete eine Etage höher ebenfalls vor einer versperrten Tür. Wegweiser sahen wir nicht. Ratlosigkeit machte sich breit, von hinten drängten weitere Fluggäste nach. Die, die vorne an der Tür standen, klopften und gestikulierten, denn dahinter sah man durch die Glasscheibe viele Menschen herumlaufen. Toll, das fing ja gut an. Die zwei Minuten, die es dauerte, bis sich die Tür wie von Geisterhand dann doch öffnen ließ, wurden zur Ewigkeit. Na ja, vielleicht wussten die vorne stehenden Reisenden nur nicht, wie in Russland Türen geöffnet werden.
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Ein-Ausreise in Russland

Die Passkontrolle spielte sich im Prinzip nicht anders ab, wie in allen Flughäfen dieser Welt. Nachdem der Pass mit dem Visum an den Beamten ausgehändigt war, prüfte er alles akribisch mit Lesegeräten und verschiedenen Lupen. Dabei verzog er keine Mine. Gisela wurde auf Russisch irgendetwas gefragt. Sie verstand nur Bahnhof und fragte auf Deutsch nach. Das ließ das Gespräch sofort verstummen. Die bei der Einreise erforderliche Einreisekarte wurde vom Beamten selbst anhand der Pass-und Visumdaten ausgedruckt. Den Einreiseteil behielt er, den Pass mit der ausgedruckten Ausreisekarte schob er zurück.
Diese Ausreisekarte ist äußerst wichtig, die darf man keinesfalls verlieren, sonst muss man in Russland bleiben - glaube ich. Die Koffer konnten wir recht schnell vom Kofferband ziehen.

Visum

Für diese Tour benötigt man ein Visum. Trendtours liefert zur rechten Zeit alle nötigen Informationen dazu. Am einfachsten war für uns, dass wir den von Trendtours angegebenen Dienstleister, der sich um alle Formalitäten kümmerte, in Anspruch genommen haben. Alles ist gut gelaufen. Man könnte das Visum natürlich auch in Eigenregie bei der russischen Botschaft beantragen. Aber jeder, der die nötigen Formulare und Anforderungen an die Einträge einmal gesehen hat, der verzichtet gerne darauf. Und viel Geld sparen würde man dabei auch nicht. Den Pass muss man so oder so in fremde Hände geben.
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Fahrt ins Hotel

Im Ankunftsterminal wimmelte es von Menschen. Die Sommerferien gingen am letzten Wochenende im August zu Ende. Die deutschsprachige Trendtours-Reiseleitung war leicht zu erkennen. Sie nahm uns in Empfang und lotste uns in einen Wartebereich, bis die Gruppe vollständig war. Wie immer üblich bei Gruppenreisen, fehlten am Ende zwei Leute. Die Schlauberger waren schon ungeduldig auf dem Weg zum Bus gewesen und beschwerten sich später, weil sie ihn nicht fanden.

Die Busfahrt zum Hotel Moskau in der City von St. Petersburg dauerte eine knappe Stunde. Während der Fahrt informierte uns die Reiseleiterin in fast akzentfreien Deutsch über die wichtigsten Dinge, die man an einem Ankunftstag in jedem fremden Land wissen muss.

Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie ich mir auf meiner ersten Russlandreise das Land vorgestellt hatte. Aber die gut ausgebauten breiten Straßen mit viel Blumenschmuck und ganz schön viel Verkehr mit modernen Autos überraschten mich. Die Wohnhäuser sahen fast alle aus wie frisch gestrichen, die Straßen und Gehwege sauber und gepflegt, auch wenn die großen Basaltplatten manchmal etwas uneben waren. Aber, schließlich handelt es sich hier um eine Stadt mit 5 Millionen Einwohnern. Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir (auch später bei den Stadtrundfahrten) immer nur dieselben schönen Straßen mit den renovierten Häusern gefahren sind und die heruntergekommenen gemieden haben. Generell war alles sauber und in Schuss.

Das Einchecken ins Hotel Moskau und die Zimmervergabe verliefen reibungslos dank einer superorganisierten Reiseleitung. Den Pass mussten wir gegen die Schlüsselkarten an der Rezeption eintauschen. Wir sollten ihn am Tag der Abreise wiederbekommen. Den kostenlosen WiFi-Zugang bekamen wir auf Nachfrage auch ausgehändigt.

Am Anreisetag gab es wegen der unterschiedlichen Ankunftszeiten der Reisegruppe kein weiteres Programm außer eine extra buchbare Fahrt über die Kanäle am Abend nach dem Abendessen. Dieses Angebot buchten wir auch kurzfristig hinzu, denn das Wetter war sonnig und warm. In der Zwischenzeit hatten wir Zeit, um uns in der Umgebung umzusehen. Supermarkt und Metrostation in die City waren gleich nebenan. Man hört ja immer wieder davon, dass Russland mit allen möglichen Sanktionen, auch durch die EU, belegt sein sollen. Davon war in jenem Supermarkt nichts zu spüren. Die Regale waren genauso gefüllt wie bei uns und Ware aus der EU fanden wir in den Regalen nicht anders als in Neuseeland oder Australien auch. Nein, nicht nur, weil hier Westtouristen unterwegs sind, in allen Supermärkten hier und in Moskau war das so.

Wenn wir über die viel befahrene Straße gegangen wären, hätten wir sogar noch ein Spaziergang am Fluss Newa machen können.
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Lichterfahrt durch die Kanäle von St. Petersburg

Extra hinzugebucht haben wir eine Lichterfahrt über die vielen Flüsse und Kanäle der Stadt zum Sonnenuntergang. Mit Bussen wurden wir zu den Barkassenanlegern gebracht. Die schienen anfangs etwas überfordert zu sein, denn pro Schiff passten nur um die 40 Leute drauf. Viele Reisende hatten sich wegen des schönen Wetters kurzfristig entschieden. Aber irgendwie kamen Schiffe aus allen Winkeln herbei und so wurden alle untergebracht. Wir genossen einen herrlichen Abend bei einem lauen Lüftchen und einer gemütlichen Tour vorbei an den vielen angestrahlten Gebäuden der Stadt.
Ein toller Start auf dieser Reise.
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[2. Tag] St. Petersburg

Die organisierte Stadtrundfahrt begann gleich nach dem Frühstück. Wir hatten Glück, dass Samstag war, so konnte der Bus am Morgen fast ungehindert die ersten Sehenswürdigkeiten anfahren. Die Palastbrücke über die Newa mit Blick auf die Eremitage und die Festung der Peter & Paul Kathedrale wurde als Erstes angesteuert.
Gegen halb Elf wollte der Frühstückskaffee in der Keramikabteilung entsorgt werden. Unsere Reiseführerin hatte das geahnt, denn sie stellte uns eine "Gesundheitspause" in Aussicht. Belustigt schauten sich alle an. Was sollte das denn sein? An einer Straßenecke mitten in einem Wohngebiet verließen wir den Bus und wurden zu einem Wohnhaus geführt, in dem eine Treppe nach unten führte. Um Gottes willen, wohin werden wir denn nun geführt? Im Souterrain öffnete sich ein ausgedehnter schön beleuchteter Souvenirladen mit der Möglichkeit eines kostenlosen Toilettenbesuches. Das war uns anfänglich ein wenig befremdlich. Denn ein Toilettenbesuch in einer öffentlichen Toilette ist relativ unproblematisch und günstig, wie wir später auf der Reise erfuhren. Aber man braucht dafür Kleingeld. Das hatten die wenigsten dabei. Hier waren die Toiletten kostenlos und auch sehr sauber, das Angebot der Souvenirs sehr groß bei moderaten Preisen. So war es für alle eine Win-Win Situation.

Danach ging es weiter durch verschiedene Stadtteile. An der Isaaks Blue Bridge und der Isaaks Kathedrale rangen 20 Busse um Parkraum, genauso wie an der Kasaner Kathedrale. Dort hatten sich viele Einheimische zum Gebet eingefunden, flankiert von Hunderten von Touristen, die manchmal über die Betenden förmlich hinweg stiegen. Fotografieren war drinnen auch nicht erlaubt, das galt aber nicht für die meisten Touristen. (Kein Wunder, dass in immer mehr Ländern der Unmut über diese Ignoranten wächst). Wir beobachteten die Gläubigen, wie sie immer wieder zu an den Wänden hängenden Ikonen gingen, davor verweilten und sie schließlich küssten, bevor sie die Andachtsstätte verließen. Ikonen waren uns bisher nur als abstrakte Heiligenbilder bekannt.

Zwischenzeitlich hatten wir eine gute Stunde, um uns selbst umzuschauen. Dabei sind wir am Kanal bis zur Auferstehungskirche gelaufen. Die Touristenmassen aller möglichen Kreuzfahrtschiffe (erkennbar an den Stickern auf der Brust) stapelten sich vor dieser Kirche. Wir nahmen Reißaus.

Im weiteren Verlauf des Tages nahm der Verkehr derart zu, dass die Rückfahrt zum Hotel ewig dauerte. Am Nachmittag fand der extra zu buchende Ausflug zum Peterhof statt. Wir wählten lieber die Freizeit, um auf eigene Faust loszugehen.

Gleich neben dem Hotel befindet sich die Metrostation. Man kauft sich für 45 Rubel (ca. 0,65 €) ein Token, entweder an einem der Automaten oder am Fahrkartenschalter. Die Automaten sprechen nur Russisch, die Frau am Schalter zwar auch, aber mit Zeichensprache und abgezähltem Kleingeld bekam ich 4 Token für die Hin- und Rückfahrt in die City. Mit dem Token füttert man das Drehkreuz. Die Drehkreuze werden von Soldaten mit Gewehren bewacht; aber nicht etwa wegen etwaiger Schwarzfahrer, sondern zum Schutz vor Terroristen. Hat trotzdem etwas Bedrückendes. Danach gelangt man auf eine ca. 100 m lange Rolltreppe. Die Metro muss so tief unter der Erde fahren, damit sie im Winter nicht einfriert. Das Angenehme auch hier, ist das Ambiente. Keine zerstörten oder nicht funktionierenden Lampen, keine mit Graffiti beschmierten Wände, keine leeren Pappbecher oder Pommestüten in den Ecken, keine Besoffenen oder Bekifften, die irgendwo rumliegen, keine zwielichtigen Gestalten, die sich in die Ecken drücken oder Leute anpöbeln; es ist alles sauber und rein. Wir waren eine Woche zuvor mit der Berliner S-U-Bahn unterwegs - Dritte Welt Entwicklungsland Deutschland!

Unten angekommen steigt man links ein, um in die City zu kommen und auch dort wieder links ein, um zurück ins Hotel zu kommen. Ganz einfach. Die U-Bahn Bahnsteige sind zwar nicht so attraktiv wie jene in Moskau, aber dafür ist alles picobello sauber. Die Bahnsteige selbst sind hermetisch abgeriegelt von den Gleisen. Die Bahnsteigtüren gehen erst auf, wenn der Zug genau vor den Türen hält. Jawohl, das ist machbar, was ja in Deutschland von einigen Politikern als unmöglich bezeichnet wird. Obwohl es hier unten vor Menschen nur so wimmelte, gab es kaum Hektik. Nach dem Einsteigen in die Bahn boten uns sitzende junge Leute für uns "Alte" immer ihren Platz an. Dabei sehen wir gar nicht besonders alt oder gebrechlich aus und können problemlos ohne Stock oder Rollator kilometerweit laufen. In Deutschland passiert uns das so gut wie nie. Da muss man schnell sein, um einen freien Platz vor einem Schüler oder Studenten zu erhaschen.

St. Petersburg hat bereits am ersten Tag unsere Erwartungen übertroffen. Schade, dass wir die Stadt am nächsten Tag nach dem Besuch der Eremitage schon verlassen mussten. Es gibt so viel mehr zu sehen, doch eine Stadtrundfahrt schafft halt nur einen ersten Eindruck.
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[3. Tag] St. Petersburg und Einschiffung

Es ist Sonntag. Am Vormittag begann die Stadtrundfahrt mit dem Einladen des Gepäcks in die Busse. Auf leeren Straßen erreichten wir zügig die Smolny Kathedrale. In der Vormittagssonne erstrahlen die weiß-blauen Farben des Gebäudes und der weißen Türme. Man konnte auch hineingehen.
Anschließend wurden wir an der Newa abgesetzt. Die Attraktion an jener Stelle war das Kriegsschiff Aurora der ehemaligen kaiserlich russischen Marine. Es ist das Symbol der Oktoberrevolution 1917. Viele Busse suchten um diese Zeit einen Platz zum Parken am Straßenrand. Auf der anderen Seite der Straße lag also dieses Schiff, dass für ein paar "Rubelchen", wie unsere Reiseleiterin gerne sagte, besichtigt werden konnte. Wir haben uns lieber in dem kleinen Park neben der Straße aufgehalten, in dem viele einheimische Familien mit Kindern ihre mitgebrachten Brote und Getränke zu sich nahmen.
Uns hatte man vergessen zu sagen, dass kein Mittagessen geplant war. Nicht dass wir hungrig gewesen wären, denn wir hatten gut gefrühstückt und haben aus Erfahrung immer etwas dabei. Denn nach dieser Pause sollte die Eremitage besucht werden und da gibt es auch nichts zu essen - zumindest nicht zu Beginn des Besuchs, denn jede Gruppe hatte eine feste Eintrittzeit.

Es war ziemlich voll mit Touristen aus allen Ländern dieser Welt. Unsere Reiseleiterin führte uns auf einem Rundweg von Saal zu Saal, von Gebäude zu Gebäude. Es gibt rund 350 Säle mit über 65.000 Exponaten in mehreren Gebäuden auf mehreren Etagen. Gefühlt sahen wir sie alle, tatsächlich wahrscheinlich nur ein Viertel. Die Erklärungen der Reiseleiterin waren allwissend und umfassend. In jedem Saal gab sie sozusagen je nach Exponaten eine Geschichts- oder Kunsthistorische Vorlesung. Wir mussten auch immer wieder ein Blick auf die Gruppe haben, denn in allen Sälen hielten sich meistens viele Gruppen gleichzeitig auf. Das Gedränge war manchmal unerträglich. Am Anfang war es noch sehr interessant. Doch nach 2 Stunden schwand bei den meisten die Aufnahmebereitschaft. Es gab selten Sitzmöglichkeiten, die wir sowieso nicht hätten nutzen können, weil es stetig voranging. Wir hätten uns gerne abgesetzt, doch wir fanden keine Wegweiser zum Ausgang. Orientierungslos wussten wir gar nicht mehr in welchem der vielen Gebäude wir uns gerade aufhielten.
Trotzdem war es ein tolles Erlebnis, aber trotzdem waren wir auch froh, dass wir irgendwann Richtung Ausgang gingen und uns in der Caféteria einen kleinen Snack kaufen konnten und einen Sitzplatz fanden.
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Die Schiffstour

Gleich vorweg: Ich las von Mückenplagen im Sommer auf dieser Tour. Wir fuhren Anfang September und ich habe keine einzige Mücke gesehen - wahrscheinlich lagen sie gesättigt von unseren Vorgängern an den Ufern herum.

Das Einschiffen begann am späten Nachmittag außerhalb von St. Petersburg auf dem Flussschiff MS Russ. Damit übernahm die Reederei Vodohod die Reiseleitung von Trendtours. Alles war wieder sehr gut organisiert. Wir wurden schon erwartet. Um die Koffer kümmerte sich das Personal. Die Schlüssel und einen Zettel über den restlichen Tagesablauf bekamen wir direkt in die Hand gedrückt, nachdem wir die Pässe abgegeben hatten. Damit wussten wir auch, dass alle Reisenden in sechs Gruppen eingeteilt waren und welcher Tisch im Restaurant einem zugewiesen war. Das empfanden wir als sehr praktisch, weil es keinen Streit um Busse, Plätze usw. geben würde. Nur jene, die im Hotel schon immer die Tische im Restaurant zusammengeschoben hatten, die hatten halt Pech gehabt.

Die ersten Stunden auf einem Schiff verbrachten wir mit dem Kennenlernen unserer neuen Umgebung, die für die nächsten 6 Tage unser zuhause sein sollten. Nach dem Begrüßungsdrink bei der Vorstellung der Crew lernten wir auch unsere Reiseleiterin kennen, die für unsere Gruppe auf dem Schiff zuständig sein sollte. Ausnahmslos gab es nur russische Reiseleiter, meist wohl Studierende, die ausnahmslos hervorragendes Deutsch sprachen. Auch an der Bar, dem Shop oder an der Rezeption wurde gutes Deutsch gesprochen. Im Gegensatz zur fahrenden Schiffsbesatzung oder dem Servicepersonal, die kein einziges Wort Deutsch sprachen. Das war auch nicht nötig, denn das Personal war hervorragend organisiert und falls es doch einmal gehakt hat, die Reiseleiter standen immer mit gleichbleibender Freundlichkeit zur Verfügung.

Nach der in der Schifffahrt üblichen Sicherheitsübung mit der Kontrolle der richtig angelegten Schwimmwesten fand das Abendessen statt. Danach folgten weitere Infoveranstaltungen und Unterhaltungsprogramme. Währenddessen fuhr das Schiff bereits auf der Newa Richtung Ladogasee nach Mandrogi. Der Ladogasee ist übrigens 34-mal so groß wie der Bodensee. Mandrogi liegt am Fluss Swir, der den Ladogasee mit dem Onegasee auf einer Länge von 224 km miteinander verbindet. Wir suchten uns von den reichlich vorhandenen Sitzgelegenheiten draußen ein Plätzchen, von dem aus wir die sehr reizvolle Flusslandschaft an uns vorbei ziehen ließen.
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[4. Tag] Mandrogi

Im Laufe des Vormittags erreichte unser Schiff den Schiffsanleger vom recht einsam gelegenen Mandrogi. Es handelt sich um eine Art Freizeit- und Museumsdorf mit landestypischen Holzhäusern altrussischer Baukunst, das aber auch bewohnt wird. Wir konnten uns frei umsehen und herumlaufen. Die Örtlichkeit war recht überschaubar. Wer wollte, konnte sich mit Pferdekutschen herumfahren lassen.

Natürlich gab es auch hier reichlich ausgestattete Souvenirläden. In einem konnte man sogar den Mitarbeitern über die Schulter schauen, wie sie Matruschkas herstellen und bemalen. Für viele war auch das Wodka-Museum eine Attraktion, der Eintritt kostete ein paar Rubel. Wer eine leere Wodkaflasche mit im Gepäck gehabt hätte, die es in dem Museum noch nicht gibt, bräuchte übrigens keinen Eintritt zu bezahlen. Natürlich kann man hier auch den Wodka probieren und kaufen. Wer es bis heute noch nicht wusste, Wodka ist DAS Nationalgetränk der Russen.

Das Mittagessen wurde an diesem Tag in einem der beiden riesigen offenen Partyzelten mit rustikalen Schaschlik-Spießen und landestypischen Getränken eingenommen. Natürlich wieder mit Musik. Eine Folkloregruppe spielte, sang und tanzte während des Essens um die voll besetzten Tische.

Mittlerweile lagen drei Kreuzfahrtschiffe am Anleger, sodass sich allerhand Volk hier tummelte. Am späten Nachmittag legte unser Schiff wieder ab.

Nach Mandrogi gibt es an den Ufern der Swir keine größeren Ortschaften. Nur hin und wieder tauchten an den Ufern einsam gelegene Holzhäuschen auf. Einsamkeit pur. Als wir den Onegasee erreichten, war es schon Dunkel.

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[5. Tag] Kishi

Die Fahrt über den Onegasee, der ca. 18-mal so groß ist wie der Bodensee, dauerte bis zum frühen Morgen. Wir fuhren durch eine ausgedehnte Schärenlandschaft, bis wir kurz nach Sonnenaufgang die Freiluftmuseumsinsel Kishi erreichten. Die Insel gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und liegt im nördlichen Bereich des Onegasees. Die zentrale Attraktion sind 3 Holzkirchen karelischer Holzbaukunst, die man schon aus einiger Entfernung bei der Anfahrt erkennt. Die Morgensonne lässt die weiß-gelb leuchtenden Türmchen aus Espenholz-Schindeln erstrahlen.

Die Anlegestelle liegt ca. 700 m entfernt vom Kirchenbereich und war schon von zwei weiteren Schiffen belegt, durch die wir erst hindurch mussten, um festen Boden unter den Füßen zu haben. Shuttlebusse verkehren hier (Gott sei Dank) nicht. Ein Spaziergang in der frischen, klaren Morgenluft auf ebenen, gut begehbaren Schotterwegen belebte die Sinne. Zur Freude der Gehbehinderten wurde eine Gruppe gebildet, in dem langsam gehende Reisende gemeinsam gehen konnten. Es wurde darum gebeten, auf den Wegen zu bleiben, weil es abseits davon eventuell Schlangen geben könnte - wir haben keine gesehen. Vielleicht wollte man aber nur vermeiden, dass die Besucher kreuz und quer das an sich schöne Gelände zertrampeln.

Wie schon gesagt, die Insel Kishi ist ein Open-Air Museum mit verschiedenen Holzkirchen und Gebäuden. Das Dach der Hauptkirche wird als Architekturwunder bezeichnet, denn es ist gänzlich ohne Nägel und Schrauben erbaut. Die Erklärungen zur Herstellung der Schindeln ließen erahnen, welche Handwerkskunst für den Bau erforderlich war und ist. Die Renovierungsarbeiten außen waren nämlich gerade abgeschlossen. Das Innere der Kirche wurde noch renoviert und war nicht zugänglich. Der Kirchenbereich machte auf uns einen mystischen Eindruck. Wer wollte, konnte sich in einer anderen kleinen mit Weihrauch geschwängerten Kapelle einen ausführlichen Vortag über die Geschichte und Entstehung der Kirchenanlage durch einen russisch-orthodoxen Priester anhören.
Am Schiffsanleger standen einige Holzhäuschen mit Souvenirs, in denen man auch mit Euros bezahlen konnte - wie fast überall auf unserer Tour.

Am frühen Nachmittag legte das Schiff ab. Die Fahrt führte zurück über den Onegasee bis in den Wolga-Baltik Kanal und dauerte gute 7 Stunden. Zu unserem Glück konnte das Schiff auf dem ruhigen See, der eigentlich ein kleines Meer ist, ohne großen Wellengang vorankommen. Gegen Nachmittag bewölkte es sich etwas, sodass ein anderes Flussschiff, das wir langsam aber sicher überholten, in einem mystischen Licht erschien. Wir warteten darauf, dass es gleich durch eine fremde Macht unsichtbar verschwinden würde. Tatsächlich fuhr es nur weiter neben uns her.

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[6. Tag] Goritzi

In der Nacht passierten wir insgesamt 6 Schleusen im Wytegra-Kanalsystem, bis wir gegen Morgen in den Weißen See einfuhren. Am Vormittag passierten wir die überflutete Kirchenruine Krochino, um anschließend in den Fluss Scheksna einzufahren. Es dauerte noch bis zum frühen Nachmittag, bis wir den Schiffsanleger erreichen. Er liegt ein wenig abseits des Dorfes Goritzi. Das Ziel an diesem Tag war auch nicht das Dorf an sich, sondern das Kyrillov-Kloster. Pendelbusse transportierten uns in einer ca. 10-minütigen Fahrt dort hin.

Der älteste Teil des Klosters liegt am Siwerski-See. Von besonders hohem Wert soll die Ikonensammlung des Museums sein. Die örtlichen Reiseführer erzählten uns die gesamte Geschichte des Klosters, das seit 1497 hier entstanden ist.

Nachdem uns die Busse wieder zum Schiffsanleger gebracht hatten, blieb uns noch eine knappe halbe Stunde bis zum Ablegen. Einige sprinteten die Straße zurück zu einem dort gelegenen Supermarkt, die anderen flanierten an den Verkaufsständen der örtlichen fliegenden Händlern vorbei. Auch hier konnte man mit Euros bezahlen. Nach dem Ablegen nahm das Schiff Kurs auf Jaroslawl.

Gleich nach dem Ablegen fand im Restaurant eine Teezeremonie mit russischem Tee und Gebäck statt. Die Tische waren schön eingedeckt mit kleinen Kuchen und Keksen. Das Personal hatte sich in traditionelle Tracht gekleidet, die Sängerin, die jeden Abend in der Bar etwas zum Besten gab, sang mit einigen Musikanten dazu von Tisch zu Tisch gehend.

Als kleinen Stilbruch in der an sich netten Aktion empfand ich, dass der Tee aus Warmhaltekannen serviert wurde und der (leere) Samowar vom Reiseleiter nur von Tisch zu Tisch zur Besichtigung herumgetragen wurde. Trotzdem empfanden wir die Veranstaltung als eine tolle Aktion und ließen uns gern eine weitere russische Lebensweise etwas näher bringen.
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[7. Tag] Die Wolga und Jaroslawl

Bis zum Nachmittag fuhren wir auf dem Fluss Scheksna weiter südwärts und kreuzten den Rybinsker Stausee. Seine Fläche beträgt 4 550 Km2. Damit würde das Bundesland Bremen gut zehnmal im Stausee Platz finden. Er wird wegen seiner Größe auch Rybinsker Meer genannt. Damit ist er somit einer der größten Stauseen dieser Welt. Teilweise war rechts und links kein Ufer zu sehen. Seinen Namen bekam der Stausee von der Stadt Rybinsk, an der wir noch vorbeikamen.

Am südlichen Ende des Sees, das wir am frühen Nachmittag erreichten, fließt die 3.530 km lange Wolga von Südwesten kommend ein kleines Stück durch den Stausee und schlängelt sich schließlich Richtung Südosten bis zum Kaspischen Meer.
Gleich hinter dem Stausee erhebt sich neben der Wolga eine imposante, 24 m hohe Figur, welche von den Russen Mütterchen Wolga genannt wird und für sie der Inbegriff für Heimat ist. Zu ihren Füssen "fliegt" eine weiß glänzende Möwe, in der linken Hand hält sie eine Rolle mit dem Plan der „Großen Wolga“. Die Rechte ist in Richtung Stausee ausgestreckt und bedeutet so die gewaltigen Veränderungen.
An ihren Ufern entstand die Nation. An ihren Ufern fanden geschichtsträchtige Schlachten statt: mit Mongolen-Tataren im 13.-14. Jh., mit Polen Anfang des 17. Jh., die Stalingrader Schlacht und andere Ereignisse, die mit dem Schicksal Russlands eng verbunden sind. Die Wolga wird auch Mutter aller russischen Flüsse genannt. Viel besungen, geschrieben, bedichtet und gemalt in Volksliedern, Romanen, Gedichten und Gemälden voller schwermütiger Romantik, ist der nationale Strom das Lieblingsthema in der Musik, Literatur und Malerei.

Jaroslawl

Das Wetter war und blieb an diesem Tag diesig und regnerisch. Das Schiff kreuzte die Eisenbahnbrücke, auf deren Schienen die Transsibirische Eisenbahn verkehrt. Es kam aber nur ein Güterzug. Ein paar Kilometer weiter auf der Wolga erstreckt sich die Großstadt Jaroslawl zu beiden Seiten des Flusses. Es mag an dem düsteren Wetter an diesem Tag gelegen haben, dass bei uns keine rechte Freude aufkam. Nachdem wir angelegt hatten und in Busse verfrachtet wurden, nervte die örtliche Reiseleiterin. Sie redete ohne Luft zu holen mit einer durchdringenden Stimme und starkem Akzent.

Anschließend führte sie uns in das Jaroslawl-Art-Museum. Hier übernahmen ganz junge, sehr gut Deutsch sprechende Studentinnen die Führung, in dem sie uns das Leben "ihrer" an der Wand hängenden Ahnengalerie erklärten. Im weiteren Verlauf wurde uns in einer Art Ballsaal ein Kammerkonzert von drei jungen Musikerinnen vorgeführt. Einige günstig stehende Männer aus der Reisegruppe wurden zum Tanz auf die Mitte des Ballsaals geschleppt. Danach wurde eine düstere alte Kirche (Namen habe ich vergessen) aufgesucht, in der es eine kunsthistorische Vorlesung jeder einzelnen Freske von der "Stimme" gab. Die Fresken reichten an den Wänden ringsherum bis unter die Decke. Im Nebenraum philosophierte die "Stimme" über die an den Wänden bis zur Decke hängenden Ikonen, wieder in Form einer kunsthistorischen Vorlesung.

Mit dem Bus fuhren wir danach an einem schönen Park vorbei und wurden dann an der orthodoxen Kirche Khram Il'i Proroka abgesetzt. Zu Fuß führte sie uns in eine kleine Fußgängerzone in die Altstadt. Viele aus der Gruppe fragten händeringend nach einer Toilette. Ihre Wegbeschreibung war etwas verworren, aber sie wollte vorgehen. Statt eine Toilette aufzusuchen, führte ihr Weg in die Markthallen (ohne Keramikabteilung). Wieder draußen, fanden wir den Weg zwischen den Freiluftständen des Marktes zur öffentlichen Toilette. In Russland ist es üblich, dass dort Toilettenfrauen ihren Dienst versehen.
Man sollte am Eingang 20 Rubel (ca. 0,30 EUR) bezahlen, dafür bekam man den Eintritt frei und Toilettenpapier in die Hand gedrückt. Weil unsere Gruppe aus ca. 30 Leuten bestand und niemand Kleingeld dabei hatte und mit 100, 200, oder gar 1000 Rubelscheinen bezahlten, bekam die Toilettenfrau nach ungefähr 15 Leuten einen Nervenzusammenbruch. Schimpfend schloss sie ihr Zimmerchen ab, versuchte alle noch herumstehenden aus dem Toilettenraum herauszujagen, was ihr aber nicht gelang. Daraufhin schnappte sie sich das Toilettenpapier, die Geldkassette und verschwand laut schimpfend ohne wieder aufzutauchen.

Der anschließende Spaziergang durch die Fußgängerzone erschien uns recht trostlos. Teilweise waren die Geschäfte schon geschlossen, andere räumten gerade zusammen. Es war 17:30 Uhr.

Der Bus brachte uns dann später um eine Ecke zur nächsten Sehenswürdigkeit, der Ewigen Flamme. Die "Stimme" gab nun eine Vorlesung der russischen Geschichte über diese Ewige Flamme. Hat wohl was mit dem zweiten Weltkrieg zu tun. Im Hintergrund ist auf dem Foto die Mariä-Entschlafens-Kathedrale zu sehen. An der gingen wir vorbei, nicht ohne die Erklärungen der einzelnen Besonderheiten. Sie war an diesem Nachmittag verschlossen.

Im Vorbeilaufen nahmen wir eine Aussichtsplattform mit der Bezeichnung Ich liebe Jaroslawl mit. Für den wunderschön angelegten Park mit Aussichtsplattform an der Wolga war leider keine Zeit vorgesehen.
Mit einer kleinen Stadtrundfahrt durch die City von Jaroslawl im Feierabendverkehr endete der Ausflug bei Sonnenuntergang. Während des Abendessens verließen wir Jaroslawl und fuhren auf der Wolga zurück zum Rybinsker Stausee und dann weiter stromaufwärts zur Kleinstadt Uglitsch.
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[8. Tag] Uglitsch

Gleich nach dem etwas vorgezogenen Frühstück erreichten wir Uglitsch. Ziel an diesem Vormittag war der Uglitscher Kreml, zu dem uns unsere Reiseleiter vom Schiff aus führten. Ein kleiner Fußmarsch führte auf einer Fußgängerstraße, vorbei an den noch geschlossenen Verkaufsständen der örtlichen Händler hinüber zum Kreml. Wir waren so früh dran, dass sogar die Straßenmusiker vor dem Eingang des Kreml sich beeilen mussten, um ihre Bettelbecher aufzustellen.

In dem schönen Park stehen die Verklärungskathedrale und die Demetrios-Kirche mit entsprechend vielen Ikonen, ein Glockenturm und das Stadtrathaus. Da diese Bauwerke teilweise aus dem 15. Jahrhundert stammen ist klar, dass jedes für sich eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Wir beide verstehen, dass die Geschichte für die Entwicklung der Region und der Menschen eine große Bedeutung haben. Doch unser Bedarf an Kirchen und Ikonen war ab heute gedeckt.

So schlenderten wir durch den schönen Park, wieder vorbei an den Händlern zurück zum Schiff. Wenn etwas mehr Zeit geblieben wäre, hätten wir gerne noch einen Abstecher in die Stadt unternommen, doch es erschien uns etwas zu weitläufig. Nein, wir waren auch nicht die Einzigen, die sich an diesem Tag anderweitig beschäftigten. Der Kulturbedarf war gesättigt.

Am späten Vormittag verließ das Schiff den Anleger und steuerte die Uglitscher Schleuse an. Sie wurde ca. 1941 erbaut und gehört mit zu den schönsten ihrer Art auf unserer Fahrt. Das Schiff wird für die Weiterfahrt um ca. 12 m gehoben. Danach führte der Weg auf der Wolga weiter stromaufwärts. Ein Teil der Wolga ist aufgestaut und bildet den Uglitscher Stausee, der mit rund 140 km Länge bis nach Dubna reicht.

Viele Dörfer und Kulturdenkmäler wurden vor über 50 Jahren, als der Stausee gebaut wurde, durch dessen Flutung vernichtet. Wir Reisende realisierten es nur am aus dem Wasser ragenden Glockenturm als Teil der Kathedrale des heiligen Nikolaus. Genau dort, wo der Glockenturm jetzt von unserem Schiff passiert wurde, fuhren wir über dem Marktplatz der alten Stadt Kaljasin. Der Großteil der überschwemmten Stadt ist abgerissen worden, der Glockenturm – sowie einige höher gelegene Stadtteile – blieb zum Andenken an die alte Stadt erhalten. Man erzählt sich aber auch, dass man den Turm bei den Sprengungen einfach vergessen hätte. Früher war diese Kathedrale eines der schönsten Baudenkmäler entlang der Wolga.

Der gesamte Streckenabschnitt eignete sich für uns wieder sehr gut dazu, dass wir uns einen Platz an der Reling suchten, und die Landschaft mit dem ruhigen Dahingleiten des Schiffes auf dem Fluss zu genießen.

Der Abend klang mit dem Kapitänsdinner aus. Die Küche hatte sich mal wieder übertroffen, mit dem, was uns serviert wurde. Das Führungspersonal erhob das Glas mit uns bei einer super Stimmung und der Kapitän kam an jeden Tisch, um mit uns anzustoßen. Das untrügliche Ende der Reise nahte. Eigentlich schade.
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[9. Tag] Moskau

Die Reiseleitung machte uns am Abend zuvor darauf aufmerksam, dass nicht weniger als 6 Schleusen bis zum Morgengrauen passiert würden. Wir wussten aus vergangen Schleusenfahrten, dass es immer mit etwas Unruhe verbunden war, so stellten wir uns darauf ein. Als wir am Morgen aufwachten, hatte jeder sehr gut ohne Unterbrechung geschlafen. Komisch war nur, dass wir schon seit längerer Zeit unten in einer Schleuse verharrten. Es ging nicht rauf und nicht runter, auch nicht voran.

Nach dem Wecken um 7 Uhr wurden wir aufgeklärt. Auf der vor uns liegenden Strecke war es nebelig. Aus Sicherheitsgründen darf bei Nebel kein Schiff auf dem Moskwa-Wolga-Kanal fahren, die Schleusen müssen den Betrieb einstellen, bis der Nebel sich lichtet. Die Folge war, dass wir in Schleuse Nr. 2 von 6 festlagen. Die geplante Ankunftszeit in Moskau um 11:00 Uhr war nicht mehr zu halten. Nachdem sich der Nebel langsam lichtete, war abzusehen, dass das Schiff erst gegen 15 Uhr in Moskau anlegen konnte. Trotz dieser erheblichen Verzögerung blieben alle ruhig, auch das Personal, dass uns sogar gegen Mittag mit einem nicht auf dem Plan stehenden Snack versorgte. Die Kabinen mussten auch hergerichtet werden, weil ja eigentlich ab 15 Uhr das Einschiffen der neuen Reisenden in Moskau geplant war.

Trotzdem genossen wir die Fahrt auf dem Kanal bis zum Fluss Moskwa. Die Ausläufer der Stadt reichten bis an das Wasser heran. Neben dem Kanal verliefen Wege, auf denen die Moskauer Familien ihren Samstag Nachmittag Spaziergang machten. Andere hatten ihren Grill aufgebaut und genossen die warmen Sonnenstrahlen des Spätsommers. Immer wieder winkten uns die Menschen freundlich vom Ufer aus zu und riefen Sdrastwujte!. Nach unserem Russischkurs wussten wir, was sie meinten: Wir grüßen Euch.

Der Zeitplan für diesen Tag war gesprengt. Unsere Busse standen bereit. Obwohl das Personal das unerwartete verspätete Ausschiffen ganz gut im Griff hatte, ging es für alle beim Ausschiffen und in die Busse einsteigen mit dem eigenen Gepäck etwas stressig zu. Irgendwann war unser Bus mit der Gruppe und den Koffern komplett und sodass er sich in Bewegung setzen konnte. Ursprünglich war ja eine große Stadtrundfahrt geplant, die am Nachmittag im Hotel Salut am Rande der Stadt enden sollte. Wir waren auf die Alternative gespannt.

Mit der Busfahrt übernahm Trendtours wieder die Reiseleitung. Es begann eine recht merkwürdige Stadtrundfahrt. Gleich nach dem Verlassen des Schiffshafens stellte sich unser Bus in einen Dauerstau auf eine sechsspurige Straße. Im Schritttempo ging es voran. Das anvisierte Ziel sollte sein das Vladimir-Lenin-Monument mit dem Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Platz der Errungenschaften der Volkswirtschaft. (Ja, so das heißt wirklich). Danach sollte es ins Hotel gehen.

Um uns dieses Programm zu erklären, benötigte die junge Reiseleiterin in ihrem mäßigen Deutsch fast eine ganze Stunde, denn nach jedem Satz begann sie über ein anderes Thema zu sprechen. Irgendetwas vom Abendessen, von den Menschen in Moskau, wann das Treffen für den Ausflug am Abend mit Moskaus U-Bahn stattfinden sollte, was wir gleich machen werden, vom Supermarkt neben dem Hotel, wann wir uns morgen treffen, wie der Ablauf sein wird, wenn wir gleich aussteigen. Sie redete ohne Unterlass.

Die Reiseleiterin benutzte ein Mikrofon, sodass ihre Stimme durch einen Lautsprecher vor ihrem Bauch etwas verstärkt wurde. Nach dem Aussteigen stiefelte sie sofort los. Die Älteren hatten Schwierigkeiten zu folgen. Währenddessen redete sie unaufhörlich davon, was wir nun gleich sehen werden und warum das hier alles steht. Dort drüben, hinter dem Monument, vorne links, hinten rechts. Nebenbei passierten wir eine vierspurige Straße mit starkem Verkehr sowie mit kreuzenden Straßenbahnen. Auf der anderen Seite lag ein riesiger Platz. Tausende von Menschen, Alte, Junge, Familien mit Kinderwagen strömten von allen Seiten mit uns auf das Gelände. Am Ende des Platzes steht das Lenin-Monument. Fotografieren? Aber doch nicht jetzt! Keine Zeit! Rechts und links neben dem Monument waren zwei riesige Bühnen platziert. Auf der einen stand ein Conférencier, der über eine 100.000 Watt Anlage pausenlos in sein Mikrofon brüllte. Auf der anderen Bühne sang und tanzte eine Mädchengruppe zu ohrenbetäubender Musik. Wo war bloß unsere Reiseleiterin geblieben?

In der Menschenmenge sahen wir ihren kleinen Schirm wedeln. Sie deutete gerade nach rechts und wir hörten nur das Wort Toilette. Jetzt hatten wir die Wahl: entweder ihr zu folgen, denn sie wühlte sich gerade durch die Menschenmenge hindurch oder uns zum stillen Örtchen abzusetzen. Wir entschieden uns für Zweiteres. Allerdings fanden wir das Häuschen erst nach langem herumsuchen, ein Hinweisschild gab zwar die Richtung vor, führte aber in eine Baustelle. Wir fanden das Toilettenhäuschen trotzdem und nahmen in Kauf, dass wir die Reiseleitung mit der Restgruppe aus den Augen verloren.

Wie schon oben erwähnt, feierte die Stadt an diesem Tag ihr 752-jähriges Bestehen. Alle 14 Millionen Einwohner Moskaus waren heute hier. Wir beide ließen uns treiben. So bewunderten wir, alleine auf uns gestellt, das riesige Gelände mit seinen Monumentalbauten und grünen Parkstreifen mit den in der Nachmittagssonne strahlenden Blumenrabatten.

Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, wie groß das ganze Areal war und dass wir nur einen ganz, ganz kleinen Teil des Bereiches gesehen haben. Zum vereinbarten Zeitpunkt erreichten wir wieder den Bus. Auf der andern Straßenseite deutete eine in den Himmel ragende Rakete auf das Kosmonauten-Museum mit einer Weltraumausstellung. Sollten wir noch einmal hierherkommen, möchte ich dort hinein.

Der Bus schlich nun wieder mit dem Stau zusammen quer durch die Stadt zu unserem Hotel. Wir erreichten es, als schon längst die Zeit des Abendessens sein sollte. Gleich danach sollte der extra hinzubuchbare Ausflug Moskau bei Nacht mit der Metrofahrt stattfinden. Die chaotische Reiseleiterin versuchte Klarheit in die Uhrzeiten des Abendessens, des Ausflugs und der am nächsten Morgen stattfindenden Stadtrundfahrt zu bringen. Einige Mitreisenden strichen die Segel und verzichteten, wie wir, auf den abendlichen Ausflug.

Ankunft im Hotel Salut

Es wurde bereits dunkel, als die Busse auf den Hotelparkplatz fuhren. Beim Aussteigen dachten wir, das Hotel ist ein altes Mietshaus. Erst am nächsten Tag realisierten wir, dass wir am Nebeneingang abgesetzt worden waren. In der Lobby stauten sich unsere 250 Schiffsreisenden plus noch einmal so viele Asiaten. Nach vollständiger Versammlung der Gruppe in der Lobby wurden zuerst die Pässe eingesammelt. Im Tausch dafür erhielten wir die Zimmerkarten. Als wir mit unseren Koffern hinauf in die 17. von 22 Etagen wollten, standen lange Schlangen vor den vier Aufzügen. Als nach 5 Minuten endlich der erste Aufzug ankam, spuckte er 10-15 Leute aus, mit Koffern passten aber nur 6 Leute hinein. Der Flur in der 17. Etage zu unserem Zimmer war mit einem abgewetzten und teils kaputten Teppich ausgelegt. Wir passierten Zimmertüren, die so undicht waren, dass man durch die Ritzen hineinschauen konnte. Wenigstens waren unsere Betten einigermaßen bequem. Dafür hingen die Steckdosen teilweise nur noch an den Drähten aus der Wand, sodass wir einen Stecker nur mit Mühe hineinbekamen. Die Wasserhahn-Armatur wackelte auf dem Waschbecken. Die Tür zum Bad ließ sich nicht schließen.

Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, begaben wir uns wieder zum Aufzug, um zum Abendessen zu gehen. Am Aufzug warteten wir mit anderen gute 10 Minuten, bis ein Aufzug kam, der nicht überfüllt war und in dem wir noch hineinpassten. Unten angekommen, warteten immer noch Leute aus unserer Reisegruppe mit ihren Koffern darauf nach oben zu kommen.

Unser zugewiesenes Restaurant von fünf anderen hatte den Charme einer großen Kantine. Weil wir verspätet ankamen, waren alle Plätze besetzt. Es war laut. In einem Nebenraum fanden wir Tische, an denen teilweise keine Stühle standen. Wir enterten einen Vierertisch mit zwei Stühlen und sprangen erschreckt wieder auf. Die 4 Beine des Tisches steckten so lose in der Tischplatte, dass er schon beim Anschauen zusammenzubrechen drohte.

Das abendliche Buffet war mager ausgestattet. Ich nahm mir die letzten beiden Teller vom Tresen und füllte aus großen Bottichen Nudeln auf. Es gab Nudeln, Soße für Nudeln oder Nudeln mit Soße. Die Schuhe klebten beim Laufen am Fußboden rund um die Essensausgabe fest.

Nach dem Essen warteten wir wieder 15 Minuten in der Schlange vor den Aufzügen. Unsere Leute waren nun alle weg, dafür tummelten sich Divisionen von Asiaten vor den Aufzügen. Nachdem wir später am Abend wieder auf unserem Zimmer waren, wünschten wir uns zurück auf das Schiff oder nach Hause. Auf eine Tour mit der Metro und Moskau bei Nacht hatten wir jetzt keine Lust mehr.

Weitere Hoteldetails schreibe ich weiter unten im Abschnitt Hotels-.

Die Metro

Viele Metrostationen Moskaus sind ja beeindruckend schön, teilweise künstlerisch gestaltet. Sie liegen ähnlich wie in St. Petersburg tief unter der Erde. Die einen sagen wegen des Frosts im Winter, die anderen sagen wegen des Schutzes vor Atombomben.
Die Decken der Stationen weisen Stuckverzierungen und große Deckenleuchter auf. Man findet wunderschöne Mosaike mit Stuckrahmen verziert, edle Marmorsäulen und Marmor-Skulpturen. Teilweise sind sie mit Gemälden verziert oder mit Glasmosaik, mit denen Geschichten erzählt werden.
Wir hörten am nächsten Morgen, dass der Ausflug trotz allem nicht so prickelnd gewesen sein soll. Es gab eine Fahrt mit der Metro Richtung City. Drei verschiedenen Stationen wurden angefahren. In jeder gab es eine ausführliche Besichtigung der Kunstwerke mit langen Erklärungen über ihre Geschichte. Das soll zugleich auch Moskau bei Nacht und schließlich sehr ermüdend gewesen sein.
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[10. Tag] Moskau

Nachdem wir das Frühstück in der Kantine eingenommen hatten, mussten wir uns sputen, den Bus für die Stadtrundfahrt um 9 Uhr zu erreichen. Die Aufzüge kamen mal wieder nicht oder sie waren schon proppenvoll, egal ob wir hinauf wollten oder aus der 17. Etage nach unten. Ein Aufzug von vieren funktionierte gar nicht.
Da wir ja weiterhin mit festen Gruppennummern in Moskau unterwegs waren, bekamen wir, unten angekommen, Nervenflattern, weil wir unseren Bus nicht fanden, obwohl wir 15 Minuten vor der Abfahrtzeit um 9 Uhr auf dem Busparkplatz herumliefen. Einige Leute aus unserer Gruppe suchten ebenfalls mit uns den Bus, bis wir schließlich von der Reiseleiterin aufgegriffen wurden. Sie hielt uns vor, dass wir zu spät seien. 8:30 Uhr sollte es losgehen. Es stellte sich heraus, dass sie die neue Uhrzeit am Abend zuvor nach der Metrotour den anderen verkündet hatte. Die, die nicht daran teilgenommen hatten, wussten von nichts.

Es war Sonntag Morgen, die Straßen erfreulicherweise leer, sodass wir schnell unsere Ziele abfahren konnten. Zuerst wurde das riesige Universitätsgelände der Lomonossow-Universität angefahren mit einem Fotostopp auf dem Sperlingsberg. Wenn man sich die Unigebäude und das Unigelände anschaut, kann man verstehen, dass hier gerne studiert wird. Wir wissen natürlich nicht, wie es drinnen aussieht. Bildung wird großgeschrieben in Russland und die jungen Leute tun alles dafür, schnell zu guten Abschlüssen zu kommen. Und es gelingt ihnen. Oft winken dann gut bezahlte Jobs, oft auch im Ausland.
Vom Sperlingsberg bot sich uns jedenfalls ein imposanter Ausblick auf die Stadt.

Die nächste Station war der Park Novodevichi Prudy, sehr schön an der Moskwa gelegen. Das Ziel der Reiseleiterin war allerdings auf der anderen Seite des Parks ein Klosterkomplex, der durch einen Wassergraben und die Klostermauer von uns getrennt war. Da unser Bedarf an Klöstern gedeckt war, blieben wir mit einigen anderen in dem schönen Park, bis es weiterging.

Der Bus fuhr die Christ-Erlöser-Kathedrale an, die neben der bekannten Basilius-Kathedrale am Roten Platz die bedeutendste Kathedrale der Stadt ist. Sie hat durch die beiden letzten Jahrhunderte hindurch eine sehr bewegte Geschichte hinter sich gebracht und ist heute der Sitz des Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche. Die Kathedrale befindet sich in zentraler Lage in Moskau am Ufer der Moskwa in unmittelbarer Nähe des Kremls.

Wenn wir unsere Reise in Moskau begonnen hätten, wären wir bestimmt mit der Gruppe hineingegangen. Muss man sicherlich auch gesehen haben, doch wir verzichteten zugunsten eines kleinen Spaziergangs um die Kirche herum und kamen zur Brücke über die Moskwa. Die Aussichten hier waren es wert. Zur einen Seite erhebt sich der Kreml über die Stadt und zur anderen Seite befindet sich ein Denkmal von Zar Peter I. auf einer kleinen Insel im Fluss.

Zur Mittagszeit wurden wir dann für 2 Stunden im Arbat Viertel abgesetzt, wo wir nach einer kleinen Einweisung Gelegenheit bekamen, selbst durch die Fußgängerzone zu flanieren. Wir beide empfanden das als sehr angenehm, zum einen, um die nervige Reiseleiterin loszuwerden und zum anderen, um selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Fußgängerstraße zieht sich in die Länge, dabei gibt es viele Geschäfte und Cafés mit Außenbedienung. Am Ende der Straße unterhielt eine Schüler-Band mit Beatles Songs die vorbeigehenden Menschen. Auch hier ist alles sehr sauber. Nirgendwo liegt irgendein Fitzelchen Papier auf der Straße oder Müll in den Ecken. Ständig ist ein kleiner Einmann-Straßen-Reinigungswagen unterwegs, der mit Wasser und viel Lärm zwischen den Fußgängern Slalom fährt und Müll oder Straßendreck beseitigt.

Da für diesen Tag kein Mittagessen eingeplant war, suchten und fanden wir ein kleines einheimisches Café, das touristenfrei war. Zu Gute kam uns wieder unser Russischkurs, denn die Bedienung sprach weder Deutsch noch Englisch. Wir wurden freundlich bedient, das Gebäck war lecker, die Preise moderat. Später suchten wir noch in einem Supermarkt nach typisch russischer Schokolade. Was wir fanden war entweder Original Made in Germany oder Made in Belgium - für den russischen Markt. Ich erwähnte oben in St. Petersburg schon mal die Wirksamkeit der von Politikern erfundenen EU-Sanktionen.

Der Kreml

Am frühen Nachmittag wurden wir dann vor dem Kremleingang, für den extra hinzu gebuchten Kremlbesuch abgesetzt. Weil nicht alle diesen Besuch gebucht hatten, wurden die Gruppen neu zusammengestellt. Glücklicherweise schafften wir es in die Gruppe zu kommen, die von einer anderen, neu hinzugerufenen, vor Ort lebenden Reiseleiterin übernommen wurde. Die sehr junge Studentin, deren Namen ich leider vergessen habe, kam zwar zu spät, aber Schuld daran war unsere chaotische Reiseleiterin, die vergessen hatte, sie rechtzeitig zu informieren.

Sehr viele Touristen wollten an diesem Nachmittag in den Kreml. Die Schlange vor dem Eingang war lang und es ging nur langsam voran. Ruhig und mit fast akzentfreiem Deutsch lotste sie uns erst durch die Schlangen, dann durch die Sicherheitskontrollen am Eingang. Weil sie so klein war, hielt sie einen Stock mit einer kleinen bunten Eule in die Höhe, so fanden wir sie im Gewühl immer sicher wieder.

Der russische Präsident gab sich leider nicht die Ehre. Trotzdem war die fast zweieinhalbstündige Führung über den ganzen Komplex sehenswert. Die junge Frau verstand es in ihrer ruhigen Art sehr gut, uns mit ihren Erklärungen die Geschichte der Bauwerke und sonstigen großen und kleinen Sehenswürdigkeiten zu vermitteln. Zum Beispiel diese mächtige Zarenkanone aus dem 16. Jahrhundert, mit der nie eine Kanonenkugel abgefeuert wurde. Sie diente früh schon als ein Denkmal russischer Gusskunst.

An anderer Stelle steht die über 6 m hohe, sogenannte Zarenglocke, die allerdings durch einen Brand in Moskau und durch Löschversuche Risse bekam und ein großes Stück absplitterte. Verschiedene Reparaturversuche schlugen fehl, auch wegen des enormen Gewichts.

Natürlich stehen in dem ältesten Teil Moskaus mehrere Kathedralen und Kirchen, Museen und Paläste. In einem regiert der Präsident. Die vielen Gruppen stauten sich vor den Gotteshäusern, sodass man eigentlich nicht viel besichtigen konnte. Auf der anderen Seite hatten wir die vergangenen 6 Tage reichlich Ikonen und Fresken gesehen.

Nun wissen wir jedenfalls, was sich hinter der großen roten Mauer verbirgt, die bei politischen Berichten im Fernsehen immer von außen zu sehen ist, wenn der Rote Platz als Hintergrund für den Korrespondenten eingeblendet wird. Schließlich misst diese Kremlmauer mehr als 2 km, unterbrochen von 20 Kremltürmen. Im 16. und 17. Jahrhundert brauchte man halt solche Festungen, es ist ein sehr gut erhaltenes, gigantisches Bauwerk.

Die Führung endete gegen 16 Uhr an einem Tor eines Kremlturms am Roten Platz. Direkt am Ausgang entstand ein großer Stau, denn alle wollten von hier aus die trutzige, aber irgendwie auch filigrane Basilius-Kathedrale fotografieren. Sie lag direkt gegenüber und erstrahlte im Sonnenlicht. Unser Bus sollte erst eine Stunde später kommen, so blieb Zeit, um z. B. auf dem Roten Platz zu flanieren oder gegenüber in das größte Kaufhaus Moskaus, in das Kaufhaus Gum zu gehen. Blöd nur, dass an diesem Sonntag noch fast der ganze Rote Platz mit Tribünen voll gestellt war wegen der 872-Jahrfeier. Die Menschenmassen schoben sich um die Absperrungen herum. Unsere chaotische Reiseleiterin übernahm wieder unsere Gruppe und wollte uns irgendwo hinführen, wo es Eis geben sollte, weil jemand nach gefragt hatte. Wir waren eigentlich platt vom Herumlaufen an diesem Tag, meine Schrittzähler-APP zeigte bereits 11 km an und das immer im Schneckentempo. Unsere Körper rebellierten.

Ein anstrengender aber schöner und letzter Tag in Moskau ging mit dem Abendessen in der Hotelkantine zu Ende.
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[11. Tag] Abreise

Der Transport mit dem Bus zum Moskauer Flughafen Domodedowo (DME), an diesem Morgen war pünktlich. Wir stellten uns auch frühzeitig in der 17. Etage in den Fahrstuhlbereich und warteten auch nur 15 Minuten. Denn gegen halb neun morgens war Frühstücks- und Abreisezeit. Man glaubt gar nicht wie viel Menschen mit Gepäck in so einen Aufzug gehen, vor allen Dingen, wenn so ein fetter Zweimetermann mit seinem dicken Bauch einfach nicht einsehen will, dass dieser Aufzug nicht der letzte an diesem Tag ist.

Gott sei Dank fuhr der Bus stadtauswärts, denn in der Gegenrichtung schlich eine einzige Blechlawine auf den vier Spuren Richtung Zentrum. Ich fragte mich, wo die alle parken wollen. Betreut wurden wir von einer sehr fürsorglichen Reiseleiterin, die Tags zuvor für eine andere Gruppe zuständig war. Sie sorgte sich, ob auch alle ihren Pass mit der Ausreisekarte dabei hätten. Die kannte wohl ihre Kollegin, denn die hatte es tatsächlich versäumt uns mitzuteilen, wann wir unsere Pässe abholen konnten. Denn wenn wir jetzt umkehren müssten, wäre unsere Abreise in Gefahr gewesen.

Die erste Kofferkontrolle fand direkt am Eingang des Abflugterminals statt. Sicherheit geht über alles. Die Fürsorgliche brachte uns sogar bis zum Check-in Schalter, und jene, die nicht so fit auf Flughäfen sind, bis zur nächsten Sicherheitskontrolle. Bei der Passkontrolle für die Ausreise fühlte ich mich in DDR Grenzkontrollzeiten versetzt. Wenn man damals mit dem Auto nach Westberlin wollte, schauten die Grenzer genauso grimmig misstrauisch. Es dauerte bestimmt 5 Minuten, bis sie den Pass aus allen Himmelsrichtungen mit Lupen und Lesegeräten inspiziert hatte. Dabei wollten wir doch nicht rein, sondern nur raus.

Unser Lufthansa-Flieger war bis auf den letzten Platz gefüllt und brachte uns pünktlich nach Frankfurt. Insgesamt endete an diesem Tag eine tolle Zeit in Russland, besonders in Sankt Petersburg und auf der Schiffstour.
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Hotels

Hotel Moskau in St. Petersburg

Bei dem Hotel Moskau, nahe dem Fluss Newa, handelte es sich um einen riesigen 4 Sterne Glaspalast aus der Sowjetzeit. Den kostenlosen WiFi-Zugang bekamen wir auf Nachfrage an der Rezeption. Unser Zimmer lag am Ende eines ca. 250 m langen Flures. Nicht alle Zimmer der Mitreisenden waren so ruhig wie unseres. Das Hotel machte einen sauberen und gepflegten Eindruck. Wie gesagt, das Ambiente der Sowjetzeit ließ sich nicht verhehlen, es gab aber nichts zu beanstanden.

Das Abendessen in Buffetform (genauso wie auch Frühstück) für die 250 Trendtours-Leute fand in einem der vielen Restaurants statt, in dem noch mindestens zwei weitere Reisegruppen in gleicher Menge Platz fand. Das Buffet war reichhaltig, vielfältig und geschmacklich in Ordnung. Der Getränkewagen wurde von einem Angestellten herumgefahren. Er war gut bestückt und die Getränkepreise entsprachen denen deutscher 4 Sterne Hotels

Zum Abendessen trat eine Tanz- und Gesangsgruppe in Landestracht auf der Bühne neben den Tischen auf und unterhielt die Gäste lautstark mit russischer Volksmusik vor einer riesigen Multimediawand. Unterhalten konnte man sich während der Vorführung dann nicht mehr. Musik und Tanz während der Mahlzeiten sollte uns auf dieser Reise noch öfter begleiten.

Hotel Salut in Moskau

Schaut man sich die Hotelbewertungen in den einschlägigen Buchungssystemen an, findet man viele sehr gute Bewertungen. Eigentlich sind wir nicht unbedingt anspruchsvoll, was Hotelunterkünfte angeht. Doch ein gepriesenes 4-Sternehotel suggeriert einen entsprechenden Standard und Wohlfühlfaktor, auch wenn man die jeweilige Landeskategorie in Betracht zieht. Das 4-Sternehotel in St. Petersburg erfüllte diesen Anspruch. Wie schon oben erwähnt, entsprachen der Haupteingang und die Lobby dem 4- Sterne Anspruch. Ich verstehe auch nicht ganz, wie die guten Bewertungen für das Hotel in den einschlägig bekannten Buchungsportalen zustande gekommen sind. Vielleicht gibt es ja noch ein anderes unter dem gleichen Namen.

Das Hotel war ein alter Kasten aus den 80 gern des letzten Jahrtausends. Innen wie Außen. Bis auf die riesige Lobby, die einem eine 4-Sterne-Klasse aus feinstem Marmor vorgaukelt. Das Gebäude liegt außerhalb des Stadtkerns und ist umgeben von verkehrsreichen Einfallstraßen ins Zentrum. Die Aufnahme aus dem 17 Stockwerk zeigt die Straße am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr mit einem schönen Sonnenaufgang. Bloß gut, dass wir hier nur zum Schlafen waren. Mehr gibt es an dieser Stelle meines Reiseberichts.
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Das Schiff

Das Flussschiff MS Russ mit dem wir unterwegs waren, wurde 1987 in der damaligen DDR gebaut. Es ist 129 m lang, gut 16 m breit. Rund 300 Passagiere hätten Platz, mit uns sind ca. 250 gefahren, auf 3 Decks untergebracht. Die Kabinen und die Ausstattung sind eher in die nostalgische Zeit der 80 ger Jahre einzuordnen. Alles, Kabinen, Flure, Restaurants, Bars war gut gepflegt und vermittelte einen gemütlichen, warmen Eindruck. Das Schiff ist nicht zu vergleichen mit den hochmodernen Flussschiffen, die in Deutschland unterwegs sind. Wer mit solchen Erwartungen hierher kommt, wird enttäuscht sein. Man muss berücksichtigen, dass die Schiffe hier eine meerestaugliche Größe haben müssen. Denn auf dem Ladogasee und Onegasee können schon mal meterhohe Wellen das Schiff zum Schwanken bringen.

Es gibt nur Außenkabinen. Auf jedem Passagierdeck kann man außen vor den Kabinen um das ganze Schiff herumlaufen. Die Fenster der Kabinen lassen sich öffnen wie früher in den D-Zugwagen der Deutschen Bahn. Wer die Größe eines Wohnmobils kennt, wird sich hier über ein klein wenig mehr Platz freuen. Manche Reisende meckerten über zu harte Betten. Wir haben sehr gut darin geschlafen. Das Bad teilen sich Waschbecken, Dusche und Toilette, durch einen Vorhang getrennt. Hier zu duschen führt dazu, dass danach der ganze Raum nass ist und nur schwer wieder trocknet.

Morgens um 7 Uhr ist Wecken. Das beginnt mit einem leisen Piepsen eines Vögelchens und schwillt langsam an zu einem vielstimmigen Gezwitscher, das im weiteren Verlauf mit sphärischer Musik untermalt wird. Wir ließen uns gerne so wecken. Nach 5 Minuten begrüßt der Hotelmanager die aufgewachten Gäste mit der Bekanntgabe des Tagesablaufs. Zu allen Mahlzeiten wünscht er den Gästen zum Schluss Prijwatnawa Apetita - es heißt Guten Appetit auf Russisch. Das realisiert man erst im Laufe der Zeit, denn er spricht vorher natürlich sehr gutes Deutsch. (Ich verzichte hier mal auf die kyrillische Schreibweise).

Die Treppenaufgänge zu den anderen Decks sind bisweilen etwas steil, es gibt keine Aufzüge. Es gibt zwei Restaurants, eines für das obere Deck, das Hauptrestaurant für alle anderen. Die Panoramabar befindet sich am Bug, eine weitere kleinere Bar liegt im hinteren Bereich des Schiffes. In der Panoramabar hat man freien Internetzugang, aber nur in Gegenden, die nicht so abgelegen sind.

Alle Mitarbeiter des Schiffes waren außerordentlich freundlich und immer hilfsbereit. Alle Reiseleiter, die Mitarbeiter an der Rezeption sprachen ausgezeichnet Deutsch, obwohl wahrscheinlich alle russische Staatsbürger waren. Anfallende Rechnungen wie z. B. die Barbesuche wurden auf der Bordkarte gesammelt und am Ende der Reise mit Kreditkarte oder EC-Karte bezahlt. Im Souvenirshop bezahlt man mit Rubel. Russische Rubel muss man sich außerhalb des Schiffes besorgen, weil an Bord kein Geld getauscht werden kann.
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Verpflegung an Bord

Das Essen auf dem Schiff bekommt von uns Bestnoten. Das Frühstücksbuffet bot alles, was man sich vorstellen kann. Wurst, Käse, Honig und Marmelade wie bei uns zu Hause. Kuchen, Cerealien und Joghurt, Tee, Kaffee. Warme Speisen wie kleine Würstchen, Frikadellen, Rührei aus Eiern und nicht aus Eipulver, gekochte Eier und noch vieles mehr. Nicht jeden Tag alles, aber jeden Tag etwas anderes. Hervorheben möchte ich das immer frisch gebackene Roggenbrot, was uns hervorragend geschmeckt hat. Geschmäcker sind allerdings verschieden. Wir haben Gäste gehört, die über das Brot gemeckert haben. Die haben bestimmt noch nie in den USA oder in England Urlaub gemacht. Sogar frische Brötchen standen zur Auswahl und die schmeckten wie vom Bäcker gebacken.

Mittags und abends wurde ein 4 oder 5 Gänge Menü serviert, wobei man jeweils die Auswahl zwischen Fisch, Fleisch oder vegetarisch hatte. Am Abend lag der Menüplan für den nächsten Tag aus, auf dem man für jeden Menügang aus jeder Kategorie aus mindestens zwei Varianten auswählen konnte. Da Tische und Plätze fest zugeordnet waren, hatte das immer freundliche, russische Servicepersonal leichtes Spiel mit dem Servieren und man musste nie lange auf den jeweiligen Menügang warten. Natürlich gab es auch wieder Spezialisten unter den Reisenden, die mit der Essensliste oder der festen Sitzordnung unzufrieden waren oder nicht zurechtkamen. Man durfte sich nur am ersten Abend den Platz am zugewiesenen Tisch auswählen und mäkelten deshalb über die Planwirtschaft. Manche hätten am liebsten auch die Tische zusammengeschoben, um mit ihren Spezies zusammenzusitzen. Die hätte ich dann gern mal gehört, wenn die Bedienung erst mit Bestellzetteln das gewünschte Menü, besonders von den Unentschlossenen, notiert hätte, um es der Küche in Auftrag zu geben und irgendwann zu servieren.

Die servierten Menüs entsprachen mehrheitlich der russischen Küche. Sie traf aber gleichzeitig den deutschen Geschmack. Was man so gehört hat, traf das auf den überwiegenden Teil der Gäste zu. Extra für Deutsche wurde jedenfalls nicht gekocht. Natürlich wurde auch am letzten Abend das Kapitänsdinner serviert, mit dem die Küche ein letztes Mal ihre beste Visitenkarte abgab.
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Telefon und Internet

In der Panoramabar, auf dem Flur dorthin und außen um die Bar herum hat man freien Internetzugang. Der kann allerdings beeinträchtigt sein, wenn das Schiff sich in abgelegenen Gebieten oder auf den großen Seen befindet.
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Medizinische Versorgung

Niemand hat wohl die Absicht, auf einer Reise krank zu werden. Ist man in Deutschland oder Österreich auf einem Flussschiff unterwegs, gibt es wahrscheinlich gar keinen Arzt an Bord. Eine ärztliche Notfallversorgung wird per Telefon gerufen, ein Krankenhaus ist in der nächsten Stadt erreichbar.

In Russland gibt es außerhalb der großen Städte St. Petersburg, Jarowlawl und Moskau keine andere Stadt. Es gibt viel Landschaft an den Ufern der Flüsse und Seen. Deshalb kann man froh sein, dass die ärztliche Versorgung durch einen Arzt an Bord gewährleistet ist. Aber die Versorgung ist rudimentär. Mal ein Pflaster hier, Tabletten und Salben dort, das ist kein Problem. Die verpflichtende Auslandskrankenversicherung erstattet die Kosten, die an Bord entstehen hoffentlich problemlos.

Eine mit uns reisende Person ist kurz vor der Abfahrt des Schiffes in der Eremitage in St. Petersburg gestolpert und auf ihren Arm gefallen. Schien offensichtlich nicht schlimm zu sein, tat nur weh. Gab keine dringende Veranlassung einen Arzt aufzusuchen, zumal ja 2 Stunden später nach der Einschiffung die Ärztin an Bord konsultiert werden konnte. Die diagnostizierte eine Verstauchung und verpasste einen Verband.
Am nächsten Tag war der Arm grün und blau und mächtig angeschwollen. Doch gebrochen? Sicherheitshalber wurde der Arm mit einer Schiene fixiert. In Ermangelung einer Metallschiene wurde eine aus fester Pappe improvisiert. Die Schmerzen wurden mit Tabletten in Zaum gehalten.
Während der Schiffspassage gibt es aus den oben genannten Gründen kein Krankenhaus, das man hätte aufsuchen können. Erst am 4. Tag wurde mit Jaroslawl eine Stadt mit einem Krankenhaus erreicht. Doch auch hier durfte man keine Hightecmedizin erwarten. Der antiquierte Röntgenapparat diagnostizierte einen Bruch des Unterarms. Der betroffene Knochen brauchte wohl nicht gerichtet werden - hätte ja eine OP zur Folge gehabt. Außer Eingipsen kannte man keine alternative Methoden, so wie sie heutzutage bei uns üblich sind.

Die Reiseleiter haben sich sonst jedenfalls rührend um die betreffende Person gekümmert, mehr war halt nicht drin. Persönliches Pech, wenn solch ein Fall zu Beginn dieser Tour passiert. Aber, es sollte sich jeder ins Bewusstsein rufen, dass man auf dieser Schiffstour über Tage hinweg in fast unbewohntem Gebiet aufhält und die ärztliche Versorgung rudimentär ist. Wer zu Beginn der ganzen Reise kränklich ist, unsicher auf den Beinen, oder mit anderen körperlichen Einschränkungen diese Reise beginnen möchte, sollte das im Blick haben. Ich erwähne das mit Absicht, weil wir selber auf diesem Schiff mit zu den Jüngeren gehörten. Und wir sind Anfang/Mitte 60.
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Devisen

In Russland bezahlt mit dem Euro. Nee, das ist kein Irrtum, man braucht eigentlich gar keine Rubel. Vielleicht braucht man ein paar Rubel für den Supermarkt und für die Metro in St. Petersburg oder in Moskau. Wir haben auch in einem Café in der Fußgängerzone in Moskau mit Rubel bezahlt, oder in öffentliche Toiletten. Aber das waren Pfennigbeträge. Alle Souvenirläden nahmen lieber Euros als Rubel. Im Flughafen Moskau sind alle Preise in der zollfreien Abteilung in Euro ausgezeichnet. Wir wollten dort gekaufte Wasserflaschen mit Rubel bezahlen, da musste die Kassiererin erst den Taschenrechner holen, um den Preis in Rubel umzurechnen.

Am ersten Tag hatte uns die Reiseleiterin schon darauf eingestimmt. Wer wollte, der sollte höchstens 100 Euro in Rubelchen, wie sie sich ausdrückte, aus dem Geldautomaten ziehen.
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Sprache

Die Bordsprache auf dem Schiff ist Deutsch. Solange man mit einem Reiseleiter des Schiffes oder vor Ort bei Besichtigungen unterwegs ist, wird Deutsch gesprochen. Alleine unterwegs ist man praktisch nie, wenn man es nicht will. Da wir ja mehr die Individualisten unter den Touristen sind, setzten wir uns schon mal alleine ab. Nun ist es so, dass man in Russland eben Russisch spricht und kyrillisch lesen muss. Überrascht? Englisch spricht und versteht so gut wie niemand, Deutsch vielleicht eher, aber ausgesprochen selten. Mit Händen, Füßen, freundlichem Auftreten und mit ein paar wichtigen Vokabeln oder einfachen Sätzen (haben wir auf dem Schiff gelernt), kann man sich gut verständigen. Die Menschen, die wir getroffen haben, waren freundlich und hilfsbereit.

Auf dem Schiff hatten wir gleich zu Beginn der Schiffstour die Möglichkeit einen 4-stündigen Russisch-Kurs mit Julia zu besuchen. Das Ziel sollte sein, gängige Floskeln für den Alltagsgebrauch zu erlernen, genauso, wie das russische Alphabet, damit wir die russische Zeitung lesen können. Lesen, nicht Verstehen! Zu Erwähnen ist auch, dass es viele Vokabeln im russischen gibt, die man, wenn man die Schriftzeichen deuten kann, mit deutschen Vokabeln übereinstimmen.
Der Abschluss sollte eine (nicht ernstzunehmende, aber lustige) staatliche Prüfung (in der Bar) sein. Es hat großen Spaß gemacht. Es hätte wahrscheinlich noch mehr Spaß gemacht, wenn man die ehemaligen DDR-Bürger ausgeschlossen hätte. Denn die konnten im Prinzip die Grundlagen der russischen Sprache und der Schrift und haben sozusagen das Tempo bestimmt. Aber trotzdem ist bei mir ein wenig Russisch hängengeblieben.
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Reisezeit und Wetter

Zwischen Mitte Oktober und April kann es zwar auch sehr schön sein in Russland, bei Schnee und Eis und zugefrorenen Seen und Flüssen. Die Flussschiffe liegen dann im Winterquartier.
Natürlich sind die weißen Nächte in Sankt Petersburg in der Zeit um die Sommersonnenwende herum ein Highlight bei einer solchen Reise. Warme laue Nächte, lange helle Abende. Wenn es denn nicht regnet. Juni, Juli, August sind aber die regenreichsten Monate in dieser Region. Zu dieser Zeit ist St. Petersburg traditionell überfüllt mit Touristen. Russische Touristen, ja, die gibt es selbstverständlich auch, und das nicht gerade wenig, sind ab dem 1. September weniger unterwegs, weil dann landesweit die Schul- und Semesterferien zu Ende sind.

Wir wählten die Reisezeit Anfang September 2019. Die Temperatur auf der Reise war durchgängig 20-23 Grad, meist sonnig und T-Shirt Wetter. Die Monate zuvor herrschte in Russland allerdings regnerisches und kaltes Wetter vor, nach unserer Abreise wiederholte sich das schlechte Wetter. Die weißen Nächte in Sankt Petersburg fielen 2019 buchstäblich in Wasser.

Das Wetter auf unserer Reise Ende August - Anfang September.
[30.Aug 19] Ankunft in St. Petersburg sonnig 25 °C
[31.Aug 19] St. Petersburg wolkig 22 °C
[01.Sep 19] St. Petersburg und Einschiffung sonnig 24 °C
[02.Sep 19] Mandrogi wolkig 22 °C
[03.Sep 19] Insel Kishi, Ladogasee sonnig 23 °C
[04.Sep 19] Goritzi wolkig 20 °C
[05.Sep 19] Jaroslawl schauer 16 °C
[06.Sep 19] Uglitsch sonnig 20 °C
[07.Sep 19] Moskau sonnig 22 °C
[08.Sep 19] Moskau sonnig 23 °C
[09.Sep 19] Abreise sonnig 24 °C
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Resümee Reiseveranstalter

Bei Trendtous bucht man die ganze Reise. Soweit so gut. Trendtours war für uns in St. Petersburg und Moskau zuständig und Ansprechpartner. Von der Einschiffung bis zur Ausschiffung ist allerdings die Reederei des Schiffes zuständig und nicht Trendtours. Soweit so gut. Nein, alles war gut. Die Reise war sehr gut durchorganisiert, egal ob an den Flughäfen, in den Städten oder auf dem Schiff. Alle Reiseleiter sprachen sehr gutes Deutsch, man merkte manchmal gar nicht, dass es nicht ihre Muttersprache ist. Alle Reiseleiter waren immer ansprechbar und freundlich, auch wenn sie die zehnte Antwort auf die gleiche Frage innerhalb von 5 Minuten geben mussten. Sie alle haben uns (zumindest uns beiden) Russland und die russische Mentalität und Lebensweise etwas nähergebracht - glaube ich. Manchmal war mir nicht ganz klar ob dem so war, oder ob sie uns deutsche Touristen nur so behandeln, weil wir gerne so behandelt werden möchten. In jedem Fall haben sie alle einen tollen Job gemacht.
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Resümee der Reise

Insgesamt hatten wir eine tolle Zeit in Russland, besonders Sankt Petersburg und die Schiffstour. Erzählt man seinen Lieben zu Hause, dass man eine Reise nach Russland plant, erzeugt das eine zwiespältige Reaktion. Nein, zu den Russen! Kommt bloß gesund und unversehrt wieder zurück! Oder, das finde ich gut, es soll ja ein sehr schönes Land sein mit freundlichen Menschen! Wir konnten vor unserer Reise diese grundsätzlichen Meinungsunterschiede nicht einordnen. Jetzt wissen wir, dass die einen schon einmal in Russland gewesen und die anderen mehr oder weniger Opfer der deutschen Medien geworden sind. In den deutschen Medien wird oft nur negatives über Russland berichtet, also eigentlich genauso Propaganda verbreitet, wie auch in den russischen Medien über den „Westen“. Wie es wirklich aussieht, das erfährt man nur aus eigener Erfahrung durch das Kennenlernen der Menschen und des Landes. Das gilt für beide Seiten, dem russischen Deutschlandbesucher genauso wie dem deutschen Besucher in Russland.

Was wir bisher auch nicht wussten, dass auf der Wolga Massentourismus unterwegs ist. Jeden Tag begegneten uns mehrere Schiffe, die von Moskau nach St. Petersburg fuhren. In unserer Richtung lagen wir oft mit 2 anderen an den Anlegestellen oder es fuhren welche in Sichtweite.

In den Supermärkten in St. Petersburg und Moskau gibt es alles zu kaufen, was man sich so vorstellt. Auch Westware. Es ist nichts davon zu merken, dass Russland von der EU sanktioniert wird.

Was mir bei dieser Reise immer wieder auffiel, ist die Widersprüchlichkeit der Verehrung und der Stolz ihrer eigenen Geschichte. Zum einen sind die Russen (zumindest in St. Petersburg) stolz auf die Zarenzeit, in der die vielen prunkvollen Bauwerke entstanden sind. Wie das gemeine Volk darunter gelitten hat, wurde uns gegenüber nie erwähnt. Stolz sind sie auch auf die Oktoberrevolution 1917, seinem Anführer Lenin, dem große Plätze und Monumente gewidmet sind. Mit ihm wurde die Zarenzeit beendet. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs wird immer noch die Heldenhaftigkeit der UdSSR gepriesen, wobei in der Zeit jedoch die Menschen ihren christlich-orthodoxen Glauben nur heimlich ausüben konnten. Deshalb leben heute wieder viele Menschen ihren Glauben aus und sie sind stolz auf ihre Kirchen.

Viele Bürger Russlands scheinen heute zufrieden zu leben. Mit zufrieden meine ich, so zufrieden wie wir Deutsche mit den Nickeligkeiten unseres Alltagslebens in Deutschland. Über Politik äußere ich mich in diesem Reisebericht bewusst nicht. Wir haben nicht viel Kontakt mit Russen gehabt, aber die, die wir getroffen haben waren alle freundlich, nett und hilfsbereit.
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