Lothars Reiseberichte

Rundreise Neuseeland 2010

Mit diesem Reisebericht beschreibe ich nur die Tour auf der Südinsel unserer Rundreise Neuseeland 2010. Im Anschluss nahmen wir die Fähre, um auf der Nordinsel die Rundreise fortzusetzen. Der Reisebericht ist oben über den Button Nordinsel zu erreichen.

Reiseroute Südinsel

12 Tage

[5. März] Christchurch sonnig Regen 20 °C

Dass wir keine zwei Jahre nach unserem ersten Besuch schon wieder auf dem Flughafen in Christchurch landen, das hätten wir uns damals nicht träumen lassen. Von Auckland kommend verlassen wir das Domestic Terminal ohne weitere Kontrollen und sind schon 20 Minuten später, so gegen 11 Uhr morgens in der City von Christchurch. Die Freude, die Stadt und die Straßen wiederzuerkennen, der Sonnenschein, die vielen bunten Blumen und grünen Bäume nach dem harten Winter in Deutschland hilft die Müdigkeit nach der 36-stündigen Reise zu verdrängen.

Wir checken wieder im IBIS Hotel nahe des Cathedral Square mit der Kathedrale ein und bekommen trotz der frühen Stunde unser Zimmer ohne jeglichen Aufpreis. Wir fühlen uns gleich wie Zu Hause; denn das IBIS hat immer noch den gleichen Standard wie in Hamburg oder München: Das relativ kleine Zimmer ist hell durch große Fenster, sauber, modern eingerichtet, zwei große Queenbetten, TV-Flachbildschirm, Klimaanlage. Das Gefühl, angekommen zu sein, sorgt dafür, dass sich schnell wieder die Müdigkeit einstellt. Wir legen uns in die bequemen Betten und schlafen sofort tief und fest. Das Wachwerden nach knapp zwei Stunden am frühen Nachmittag fällt uns schwer, doch wir wollen noch während der Geschäftszeiten durch Christchurch laufen. Schock beim Aufstehen. Der Himmel hat sich zugezogen und es regnet. Das ist ja keine schöne Begrüßung. Vom Hotel rufe ich noch bei KEA an, um den Abholtermin für das Wohnmobil morgen früh zu klären.

Wir wollen uns eine SIM-Card kaufen, um in Neuseeland telefonieren zu können, doch gleich im ersten Vodafone Laden haben sie keine und verweisen uns auf einen Kiosk nebenan. Nach dem Telefonierfiasko vor zwei Jahren mit Vodafone verzichten wir erst einmal auf weitere Aktivitäten. Wir wollen doch nur eine SIM-Card, mehr nicht. In Neuseeland hat Vodafone das Telefon-Monopol.

Die Müdigkeit stellt sich langsam wieder ein. Das Laufen durch die Straßen wird immer beschwerlicher, wenigstens lässt der Regen nach. Das Café an der Kathedrale wird gerade geschlossen, als wir hinein wollen. Es ist Punkt 17 Uhr. Gegenüber ist ein Starbucks Coffee Shop, doch der Kaffee hilft auch nicht mehr viel. Gisela schleppt sich ins Hotel gleich um die Ecke, ich laufe noch zum Victoria Park. Die Fotos in der Kamera beweisen mir heute, dass ich dort war, ich kann mich später nur noch schemenhaft daran erinnern.
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[6. März] Christchurch sonnig 21 °C

Wir haben die Nacht durchgeschlafen wie Bären im Winterschlaf und wachen gegen 6 Uhr auf. Immerhin ist es in Deutschland jetzt 18 Uhr und Abendbrotzeit. Um sieben Uhr morgens gehören wir zu den ersten beim Frühstück mit Toast, Eiern, Würstchen, Pilzen, warme Tomate. Schinken, Käse, Marmelade gibt es aber auch. Das englische Frühstück ist genau die richtige Stärkung für heute. Wir hätten das Taxi zu neun Uhr bestellen sollen und nicht erst zu zehn Uhr. So haben wir noch etwas Zeit, am frühen Sonntagmorgen durch die ruhige Innenstadt zu pilgern. Immer wieder zieht uns dabei die hübsche New Regent Street an mit den im spanischen Stil gebauten kleinen Häuserreihen und den kleinen Geschäften. Die haben aber um diese Zeit noch geschlossen.

Mit zehnminütiger Verspätung taucht endlich das Taxi auf, das uns zu KEA bringen soll. Diesmal ist der Taxifahrer schweigsam, der vor zwei Jahren hatte uns gleich erst einmal einige Besonderheiten der neuseeländischen Verkehrsregeln erklärt. Doch diesmal wissen wir schon, dass der rechts abbiegende Gegenverkehr Vorfahrt hat, wenn man selbst in die gleiche Straße nach links abbiegen will. Als Mitteleuropäer braucht man sich das gar nicht erst vorzustellen, das beherrscht man sowieso erst, wenn man den Neuseeländern ein paar Mal die Vorfahrt genommen hat.

In der KEA Station werden wir mit akzentfreiem Deutsch bedient und lassen uns die wenigen Neuerungen am Wohnmobil erklären. Diesmal gibt es sogar ein Navigationsgerät. Weil ich Deutschland zu den Autofahrern gehören, die mit konservativer Straßenkarte auskommen, lege ich das Teil ausgeschaltet erst mal ins Handschuhfach.

Es ist Samstagmittag und kein reines Vergnügen im New World Supermarkt den Ersteinkauf fürs Überleben zu tätigen, denn alle Einwohner Christchurchs kaufen heute ein. Auch muss ich mich erst wieder daran gewöhnen, auf der linken Straßenseite mit fast 7 Meter Lastwagen im Rücken und 2,20 m Breite durch den Verkehr zu kommen. Die Parkplätze sind proppenvoll, sodass ich beim Einparken ins Schwitzen komme. Bei KEA gab man uns den Tipp, hier eine SIM-Karte für zwei Dollar des Providers 2Degree zu kaufen. Mit der könne man problemlos die kostenlosen 0800er Nummern in Neuseeland anrufen. Das klappt nämlich nicht mit der deutschen SIM-Karte, egal von welchem Provider.

Nachdem der Ersteinkauf gut verstaut ist, suchen wir uns den Weg zur Pazifikküste. Wir wollen heute in Christchurch bleiben. Weil die Straßenbeschilderung mich mal wieder in die Irre führt, entschließe ich mich dann doch das Navi in Betrieb zu nehmen und den Stolz auf meinen Orientierungssinn hinten anzustellen. Schließlich ist es in Deutschland jetzt 2 Uhr nachts.

Am Strand ist es trotz blauem Himmel und Sonnenschein recht ungemütlich, denn es weht eine sehr starke Brise vom Meer, die einem die Tränen in die Augen treibt. So freuen wir uns über den Ausblick aus dem Wohnmobil bei einer frisch gebrühten Tasse wundervollen löslichen Kaffee. Wenn wir öfter mit Neuseeland Air fliegen müssten, würden wir glatt zu Teetrinkern werden. Ja, so haben wir uns unsere Reise diesmal vorgestellt. Ohne Stress und Zeitdruck sich die schönsten Stellen aussuchen und Neuseeland genießen. Das Navi leitet mich anschließend zum TOP 10 Holiday Park in Christchurch, wobei es uns bekannte Wege meidet. Ich traue mich noch nicht durchzusetzen und lasse ihm heute noch seinen Willen. So lernen wir unbekannte Gegenden in Christchurch kennen und kommen tatsächlich auch an.

Vom Holiday Park könnte man mit dem Bus in einer halben Stunde in die City fahren. Doch weil uns der Jetlag am späten Nachmittag wieder einholt, fehlt einfach der Antrieb dazu. Wir stellen lieber die Stühle in die warme Nachmittagssonne und genießen einen wundervollen Spätsommertag.
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[7. März] Christchurch ⇒ Akaroa sonnig 21 °C

Um drei Uhr ist die Nacht vorbei, um sechs Uhr gibt es Frühstück. Es ist Sonntag und wir kaufen noch die restlichen Dinge bei Pak'n Save ein. Pak'n Save ist deutlich billiger als New World, die Lebensmittelkette entspricht unserem Aldi. Dann zuckeln wir am frühen Morgen vorbei an der Christchurch Gondola - dort oben waren wir vor zwei Jahren schon - durch den Tunnel nach Lyttelton. Der Ort selbst ist nicht sehr attraktiv. Die Aussicht auf Lyttelton und die Umgebung an der Governors Bay versprechen mehr.

Ca. 20 Kilometer vor Akaroa erreichen wir den Gipfel des Passes und biegen diesmal sofort ab auf den Parkplatz des kleinen Hotels an der Straße. Wenn man den Platz nicht kennt, fährt man schnell daran vorbei; wenden ist dann unmöglich. Es lohnt sich hier zu halten. Von hier oben sieht man hinunter auf das märchenhaft schöne Panorama der Banks Peninsula. Weil es in den letzten Wochen kaum geregnet hat, ist das saftige Grün der Wiesen allerdings einem vertrockneten Braun gewichen. Trotzdem begeistert uns die Aussicht, genauso wie beim ersten Mal. Tiefblauer Himmel, kleine weiße Wölkchen über in allen Grün und Brauntönen schimmernde Wiesen, Felder, Berge und dazwischen das tiefe Blau der Bay von Akaroa.

Das malerische Akaroa durchqueren wir erst mal, zum einen, um nach möglichen Parkplätzen für das Wohnmobil Ausschau zu halten, zum anderen, weil wir neugierig darauf sind, wohin die Straße hinter dem Ortsausgang führt. Sie wird immer schmaler und windet sich zwischen Berg und Bay herum. Und tatsächlich enden wir auf einem kleinen einsamen Schotterplatz direkt an der Bay, an deren Ende auf einem Hügel eine kleine Maori Kapelle steht. Gegenüber scheint eine Art Maorischule zu sein.
Keine Menschenseele weit und breit. Mit dem Ausblick auf die Bay ist hier genau der richtige Platz für die Mittagspause. Bei Sonnenschein auf einer Holzplanke sitzen und kleine Delfine beobachten, wie sie in der blauen Bucht herumspielend an uns vorbeiziehen. Ja! Hier gehen Träume in Erfüllung. Das macht Neuseeland aus. Das ist Wellness für die Seele.

Nach einiger Zeit kommen wir dann doch zu der Erkenntnis, dass wir hier nicht ewig sitzen bleiben können. Auf der Rückfahrt stellen wir das Wohnmobil irgendwo in Akaroa ab und spazieren kreuz und quer durch den Ort. Viele Cafés und Restaurants laden zum Verweilen direkt an der Promenade mit Blick auf die Bay ein. Der französische Einfluss ist hier immer noch zu spüren. Leider haben sich die Franzosen von den Engländern später von diesem hübschen Ort vertreiben lassen.

Mitten in diesem Traum von Landschaft liegt der Akaroa Top 10 Holiday Park oberhalb des Ortes. Die Ausstattung des Platzes nicht gerade die Beste und er könnte mal renoviert werden, doch die Lage ist einfach nur schön. Weil wir einen ungünstigen Standplatz zugewiesen bekommen haben, tragen wir unsere Stühle an einen besseren Platz, um den grandiosen Ausblick auf Akaroa und die tiefblaue Bay und die umgebenen Berge zu genießen, bis es dunkel wird. Gut, ich hab mir dann den Pullover geholt, derweil mich der kühle Südwind frösteln ließ, und musste mir Giselas Gespött anhören. Abends stellen wir fest, dass wir schon Farbe bekommen haben, obwohl wir vorhin unter Bäumen uns vor der Sonne geschützt hatten.
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[8. März] Akaroa sonnig 22 °C ⇒ Greymouth bedeckt 22 °C

Obwohl die Strecke nach Greymouth über den 750 m hoch gelegenen Arthurs-Pass klar und einfach der Straßenkarte nach zu finden ist, fahre ich nach der Empfehlung des Navigationsgerätes. Und dieses Navi führt mich kreuz und quer auf irgendwelchen Straßen durch Canterbury, dass ich schon fürchte, bei irgendeinem Bauern in seinem Schafstall zu landen. Irgendwann weiß ich überhaupt nicht mehr wo ich bin und entscheide mich wieder nach Karte zu fahren, wenn ich eine ordentliche Ausschilderung finde. Irgendwie muss ich diesem Besserwisser noch beibringen, was ich will. Zumindest stimmt die Richtung, denn die Alpen kommen immer näher. Eigentlich wollte ich noch tanken bevor wir in die Berge kommen. Doch auf den Nebenstrecken gibt es keine Tankstellen. Und als wir endlich wieder auf dem Highway sind hat die einzige Tankstelle auch noch wegen Umbau geschlossen. Hoffentlich reicht das Benzin ... .

Die Sonne scheint in der Ebene aus einem tief bauen Himmel. Als sich die Straße steil in die Berge hineinwindet, befürchten wir schon wieder eine 200 Kilometer kurvenreiche Berg und Talfahrt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nachdem wir die ersten Hürden genommen haben, finden wir uns in einer sanften, durch braune Wiesen ohne Bäume gekennzeichneten Hügellandschaft wieder. Auf den ca. 2.000 Meter hohen Berggipfeln liegt sogar noch Schnee, doch in den riesig breiten Flussbetten winden sich nur schmale Rinnsale durch das Geröll. Oben auf dem
Arthurs Pass angekommen, legen wir am trist wirkenden Bahnhof des
Tranz Alpine Express eine Mittagspause ein, bevor wir zur Küste Richtung Greymouth wieder ans Meer fahren. Den Zug sehen wir leider nicht. Die Strecke hinunter an die Tasmanische See ist das Gegenteil von der anderen Seite. Sehr steile, kurvenreiche Abfahrten, urwaldähnliche Regenwälder und je weiter wir hinunter kommen saftige grüne Wiesen. Der Himmel wird immer grauer. In Greymouth ist von der Sonne nichts mehr zu sehen. Alles grey eben.

Der Top 10 Holiday Park kurz vor Greymouth stellt sich auch nicht viel besser dar. Er liegt direkt am Meer, für Sonnenuntergänge scheinbar die ideale Lage. Die Sonne geht hier auch jeden Tag unter, aber wolkenfreien Himmel gibt es hier wahrscheinlich nur, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Der Strand besteht übrigens bis zum Horizont aus großen grauen runden Kieselsteinen, da kann man einen romantischen Spaziergang bei Sonnenuntergang getrost vergessen. Alles grey eben. Um draußen zu sitzen, ist der Standplatz des Wohnmobils recht ungemütlich, auch, weil immerzu Trecker irgendwelche Wohnwagen rangieren. Dann fängt es auch noch an zu regnen, das drückt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Alles grey eben. Sollten wir noch mal in diese Gegend kommen, werden wir Gas geben, um weiterzukommen.
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[9. März] Greymouth bedeckt ⇒ Westport wolkig 24 °C

Der Jetlag scheint sich langsam zu legen, wir schlafen schon bis halb sieben durch. Doch der Tag beginnt heute so grey wie er gestern aufgehört hat, wenigstens regnet es nicht. Wir machen, dass wir weiterkommen. Trotz der starken Bewölkung herrscht gute Fernsicht und wir sehen deshalb mehr als beim letzten Mal: Wilde und schier unbezähmbare Natur, lang geschwungene Buchten mit dicken Felsfragmenten gespickt, an denen sich schwere See bricht. Oft führt die Straße direkt am Meer entlang, begrenzt auf der anderen Seite von riesigen Farnen und Bergen mit dicht bewachsenem Regenwald. Diese Straße hat etwas von der Great Ocean Road in Australien.

Auf dem State Highway 6 erreichen wir kurz vor Punakaiki die Pancake Rocks. Wir operieren unser Gefährt in eine Parklücke des Pkw-Parkplatzes. Der Himmel ist immer noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht. So machen wir uns auf den Weg zu den Felsen und können diesmal ganz gute Fotos knipsen. Die Chinesen waren leider etwas schneller. Ich habe nichts gegen Chinesen. Doch dort, wo sie auftauchen, kommt man nicht an die guten Aussichten heran. Sie vollziehen wahre Fotografierorgien.
Die Sehenswürdigkeit an sich interessiert sie überhaupt nicht, wichtig für sie ist nur, dass sie davor einzeln, zu zweit und in Gruppen in jede einzelne Digitalkamera hineinkommen. Wir überholen sie und finden dann die Ruhe, uns ausgiebig umzusehen und die verschiedenen Gesteinsschichten, die tatsächlich wie aufgeschichtete Pfannkuchen aussehen, zu bewundern. Auch diesmal ist Ebbe, und so fehlt dem Meer die Wildheit, um die berühmten Wasserfontänen aus den Blowholes zu schießen.  - Vor zwei Jahren hatte es geschüttet wie aus Eimern.

Auf der wunderschönen Great Ocean Road Neuseelands biegen wir ein paar Kilometer vor Westport ab Richtung Seelöwenkolonie (Seal Colony) bei Cape Foulwind. Mittlerweile scheint die Sonne vom blauen Himmel. Am Ende der Straße gibt es einen Parkplatz, sogar mit Stellflächen für Wohnmobile. Von hier führt ein guter Wanderweg leicht ansteigend den Berg hinauf. Die Aussichtspunkte haben wir schnell erreicht. Von hier aus kann man die Seelöwen in einiger Entfernung beobachten. Einige Seelöwenkinder toben in einer Art Badewanne herum, die das Meer in die Felsen gewaschen hat, ein paar ältere liegen faul in der Sonne oder spielen mit den Kleinen. Wir können uns kaum losreißen, doch die Sonne brennt hier oben unerbittlich. Ich steige noch den sehr steilen Weg hinauf bis zum Gipfel, wo ich die erwartet wundervolle Aussicht auf das Kap genieße. Würde man dem Weg weiter folgen, käme man nach einer gewissen Zeit zum Leuchtturm von Cape Foulwind.

Wir fahren herum um das Kap Richtung Westport, biegen aber nach links Richtung Cape Foulwind ab und nehmen Kurs auf den Top 10 Holiday Park. Weil wir recht früh dran sind, stellen wir unser Wohnmobil am herrlich langen und breiten Natur-Sandstrand auf der angrenzenden grünen Wiese ab. Unter großen, schattenspendenden Bäume holen wir die Stühle raus und lassen uns vom unablässigen Rauschen und der schier endlosen Weite des Ozeans verzaubern. In knapp hundert Meter Entfernung steht ein Bulli dessen Fahrer ebenfalls am Strand sitzt. Irgendwann kommen zwei Leute mit Hund vorbei. Wir genießen die Einsamkeit und fühlen uns verbunden mit der Natur. Hin und wieder summen ein paar Insekten vorbei. Wir nehmen jedenfalls nicht wahr, dass wir eventuell auf ihrer Wiese für ungebetene Gäste gehalten werden könnten.

Weil ich unbedingt noch zum Leuchtturm möchte, fahren wir gegen Abend nochmals Richtung Cape Foulwind, diesmal von der nördlichen Seite. Vom Parkplatz aus führt ein moderater Anstieg auf einer Schotterpiste hinauf zum Leuchtturm. Von hier aus sind es noch mehr als 1 Kilometer bis zur Seelöwenkolonie, da ist man von der anderen Seite besser bedient. Der Leuchtturm ist nicht gerade attraktiv, die Aussicht verspricht von unten mehr, als sie von oben hält. Richtung Westport verunstaltet eine Kiesfabrik komplett die Schönheit der weiten Landschaft. Es lohnt sich wirklich nicht. Abends stellen wir in der lauen Luft lieber die Stühle raus und genießen eine schöne Flasche Pinot Noir Waipara Hills.
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[10. März] Westport ⇒ Motueka sonnig 24 °C

Durch die Buller Gorge geht es am Morgen in ruhiger Fahrt mit sehr wenig Verkehr und sehr schönen Ausblicken in die Berge Richtung Motueka am Abel Tasman Nationalpark. Eigentlich wollen wir bei Murchison über die Hängebrücke und ein wenig in der Schlucht laufen. Weil das Ganze aber privat betrieben wird, kostet der Eintritt ein paar Dollar. Doch nur, um auf der recht kleinen Hängebrücke ein paar Fotos zu machen, bezahlen wir natürlich kein Geld. Und irgendwelche anderen angepriesenen Abenteueraktivitäten wollen wir auch nicht haben. Also fahren wir gleich weiter und schrauben uns weiter hinauf in die Berge.

Ziemlich weit oben angekommen, verspricht ein Hinweisschild am Straßenrand einen Lookout. Scharf gebremst, links abgebogen und wir befinden uns auf einer schmalen Schotterpiste durch den Wald. Hoffentlich kommt jetzt keiner entgegen, denn wir füllen mit unserem Gefährt die gesamte Breite des Weges aus. Auf dem kleinen unbefestigten Parkplatz stellen wir unser Wohnmobil irgendwo am Rand ab, denn zwei andere Wohnmobile und ein paar SUVs füllen bereits den Platz. Während wir die letzten Meter zu Fuß hinaufsteigen, donnern noch zwei weitere Wohnmobile die Anfahrt hinauf. Wo die sich wohl hinstellen, eigentlich ist gar kein Platz mehr. Wie wir wieder von diesem Platz wegkommen sollen, ist mir schleierhaft. Oben angekommen hält sich der Ausblick in Grenzen. Da wir nicht genau wissen, auf welche grünen Berggipfel bis zum Horizont wir hier ringsherum schauen, gehen wir bald wieder. Der Parkplatz ist jetzt leer. Ich möchte gar nicht wissen, wie die anderen hier alle weggekommen sind.

Nach der Mittagspause will ich die Dachluke wieder schließen. Der Drehmechanismus greift ins Leere, die Luke bleibt offen. Nach dem Anlassen des Motors bleibt eine gelbe Warnlampe an. Nur keine großen Probleme jetzt, hier mitten in den Bergen. Motor Transmission Control sagt das Handbuch. Aber ich kenne das Symbol von unserem VW - es ist die Abgaskontrollleuchte, die gerne mal leuchtet. Die Warnleuchte ist eigentlich harmlos, nur dumm, dass sie jetzt immer an bleibt, auch wenn der Motor nach dem erneuten Anlassen gar kein Problem zu haben scheint. Jetzt aber geht es darum, in der Vermieterstation anzurufen und die Probleme auf Englisch zu erklären. Das mit der Warnlampe hätte ich ja noch hinbekommen, aber was zum Teufel heiß Dachluke und der Drehmechanismus dreht ins Leere? Doch bei der Helpline von KEA kann man sich mit einem deutschsprachigen Mitarbeiter verbinden lassen und schnell war die Lösung nah: Die Lampe sollen wir einfach ignorieren. Das kannten wir ja schon von zu Hause. - Mal ein Tipp an die Autobauer: Wenn der Fehler wieder weg ist, sollte die Leuchte auch wieder ausgehen, ohne dass man erst in die Werkstatt muss, damit die für 20 Euro mit dem Auslesen des Fehlerspeichers die Lampe ausknipsen. Wegen der Dachluke sollte ich an einer Tankstelle mal einen netten Tankwart fragen. Ja, die gibt es hier in Neuseeland tatsächlich.

Wir quartieren uns wieder auf dem Motueka Top 10 Holiday Park ein. Auch einen Schraubendreher bekomme ich und damit kann ich den Drehmechanismus selber wieder reparieren. Screwdriver ist der Schraubenzieher und das mit dem Kreuzschlitz war denn auch cross und eine Handbewegung und nicht flat und eine Handbewegung - die technisch nicht versierte Dame an der Rezeption und mein nicht ganz reines Englisch stellten kein großes Problem bei der Verständigung dar. Wie wäre das wohl ausgegangen, wenn ich einen Torx-Schraubenzieher gebraucht hätte. Damit war nämlich das Gitter unter der Dachluke befestigt ... - später habe ich bei Leo.org gelernt, dass das Ding tatsächlich auch Torx auf Englisch heißt.

Wir nehmen uns wieder genau den gleichen schönen Schotterplatz wie vor zwei Jahren. Wir bevorzugen Schotterplätze anstelle von Rasenplätzen, weil vom nassen Rasen mehr Dreck ins Wohnmobil getragen wird als von nassen Schotterplätzen. Damals urteilte ich über diesen Platz, dass ihm irgendwie der Charme fehlte. 30 Campingplätze später gefällt er uns ganz gut. Diesmal gibt es sogar eine kostenlose Spa-Nutzung dazu. Im Office des Holiday Parks buchen wir noch einen Ausflug mit dem Schiff in den Abel Tasman Nationalpark. Neben dieser Tour gibt es bestimmt noch 100 weitere in allen möglichen Preis- und Leistungsklassen. Wer will, kann im und rund um den Abel Tasman Nationalpark leicht und locker zwei Wochen verbringen. Vom Campingplatz kann man auch gut zu Fuß nach Motueka hineinlaufen, worauf wir diesmal aber verzichteten.

Den Abend lassen wir diesmal mit einem schweren weißen Chardonnay, East Coast 2007, ausklingen und mit der Bewunderung der vielen Mückenstiche, die an Giselas Beinen anfangen zu jucken. Dass die Farbe der Stiche zu ihren roten Fußnägeln passt, kann sie auch nicht weiter trösten. Die Andenken hat sie sich gestern auf der grünen Wiese am Strand bei Westport geholt.
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[11. März] Abel Tasman Nationalpark sonnig 28 °C

Die Nacht war geprägt von Albträumen, die wir beide durchleiden mussten - jeder hatte natürlich einen anderen Traum gehabt. Den schweren Wein von gestern Abend erklären wir erst mal für den Schuldigen, wir hätten doch beim Pinot Noir bleiben sollen. Um neun Uhr am frühen Morgen müssen wir schon in Kaiteriteri sein.

Die Straße dorthin ist mittlerweile in einem sehr guten Zustand, im Gegensatz von vor zwei Jahren - vielleicht haben die ja meinen Reisebericht mit dem schlechten Straßenbericht gelesen. Der Katamaran, auf dem wir oben auf dem Sonnendeck Platz nehmen fährt an der Küste entlang, hinauf bis Totaranui, fast bis an das Ende der Halbinsel des Nationalparks. An dem Felsen der Seelöwenkolonie bewundern alle die dort herumtollenden Seelöwen. Ich frage mich, woran es wohl liegen könnte, dass ich überhaupt keine Tiere sehe und alle anderen um mich herum begeistert mit ahh's und ohh's ihrer Freude Ausdruck verleihen.

Die Küstenlandschaft ist immer noch der gleiche Traum wie vor zwei Jahren. Die Fahrt führt an den immer noch einsamen Ufern des Nationalparks entlang. Ein paar Kajakfahrer schaukeln im Meer. Sanfte Hügel, grüne Flora, goldgelbe Strände und Buchten, tiefblaues Meer. Man kann an den verschiedenen Buchten an Land gehen und eine kleine Wanderung zur nächsten Bucht machen, wovon auch viele der mitfahrenden Gebrauch machen und sich dort wieder aufnehmen lassen. Wir begeben uns diesmal wieder nicht in dieses abenteuerliche Erlebnis. Zum Einen wurden wir beide am Strand am Schiffsanleger von aufdringlichen Sandflies attackiert. Dann hat Gisela ja sowieso schon mit Stichen übersäte Beine. Und zu guter Letzt ist es nicht ganz ungefährlich: Beim Stopp an einer Bucht wird eine junge Frau vom Skipper vom Strand an Bord getragen, zusammen mit ihrem Trekking Rucksack. Ihr Knöchel ist angeschwollen und sie bekommt Eis zu kühlen. Wir kommen ins Gespräch mit ihr, denn es stellt sich heraus, dass die junge Deutsche an der heimischen Uni Sport studiert.

Die Welt ist klein. Sie war allein mit ihrem Rucksack auf den Wanderwegen unterwegs, ist ausgerutscht und umgeknickt und hat sich mindestens eine Verstauchung des Knöchels geholt. Beim Aussteigen in Kaiteriteri trug ich ihr den Rucksack zur Straße hinauf und wäre dabei fast zusammengebrochen, so schwer war er. Nein! Sie wollte am Ort bleiben und sich von uns nicht weiter helfen lassen. Für morgen plante sie eine Kajaktour. Den Optimismus wollten wir nicht mit ihr teilen, denn ihr Fuß war mittlerweile drei Mal so dick wie ihr gesunder. Aber die Illusion, morgen wieder mit ihrem Fuß in irgendeinen Schuh zu kommen, wollten wir ihr auch nicht nehmen. Nun, sie hatte noch vier Wochen vor sich und wir wünschten ihr Glück und gute Besserung.

Wir legen im Wohnmobil erst mal eine Mittagspause ein, um noch ein wenig die tolle Aussicht auf den Strand und den Blick über die türkisblaue Tasman Bay bis hinüber zur bergigen Küste der Marlborough Sounds Als Marlborough Sounds bezeichnet man die bewaldete, zerklüftete Küstenlandschaft der Nordostspitze der Südinsel mit ihren vor der Tasmanischen See geschützten Buchten und kleinen Stränden. Die beiden bekanntesten Sounds (Fjorde) sind der Queen Charlotte Sound und der Pelorus Sound.  zu genießen. Weil es noch recht früh am Nachmittag ist, nehmen wir die abenteuerliche Serpentinenfahrt auf dem SH 60 von Riwaka nach Takaka zur Golden Bay zu unternehmen - ich habe Gisela natürlich nicht gesagt, was uns gleich erwartet.

Die Fahrt hinauf auf den ca. 650 Meter hohen Takaka Hill übertrifft alles, was sie verspricht, und sie toppte tatsächlich den Aufstieg von Queenstown nach Cardona von vor zwei Jahren. Es ist die steilste und kurvenreichste Herausforderung Neuseelands und überrascht mich auch noch. Steilste Anstiege, die manchmal das Herunterschalten in den ersten Gang nötig machen - ätzend, wenn dann der Gang nicht rein will - engste Kurven, abwechselnd rechts, links, 180 Grad Kehren mit gleichzeitigen steilen Anstiegen.

Die Kurbelei mit dem Lenkrad ist Armtraining der übelsten Sorte, immerzu unterbrochen vom Schalten. Hin und wieder gibt es kleine Haltebuchten, die aber besetzt sind von anderen Fahrzeugen. Ganz klar, als Fahrer habe ich während des Anstiegs nichts von der Landschaft gesehen, genauso wenig wie Gisela, die sich krampfhaft am Sitz festhält bei geschlossenen Augen. Irgendwann, wir sind noch nicht ganz oben, taucht eine freie kleine Haltebucht auf. Und nun, endlich, können wir eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft der Tasman Bay in uns aufsaugen. Hätte ich jetzt bloß die Entscheidung getroffen, von hier aus wieder zurückzufahren. Denn wer weiter fährt, muss auf der anderen Seite des Berges wieder runter und das auf noch kürzerer Entfernung als beim Aufstieg. Und später das Ganze in umgekehrter Richtung wieder zurück, weil es keinen anderen Weg gibt! Es dauert alles länger als ich dachte. Und bis zur Golden Bay ist es weiter als ich dachte. In Waitapu angekommen haben wir eigentlich gar keinen rechten Plan, wohin, und auch gar keine Zeit mehr, denn wir hatten an diesem Abend den Spa gebucht und wir müssen ja den gleichen Weg über den Berg wieder zurück.

Schwer gezeichnet von der Kurverei kehren wir nach Motueka zurück und lassen uns vom Bad im Spa die Lebensgeister wiedergeben. Doch dabei erinnern wir uns gerne an die tollen Aussichten. Das ist Neuseeland, hier würden wir gern länger bleiben. Den Abend lassen wir diesmal ohne die Weinflasche ausklingen, weil wir nur den Albtraumwein im Kühlschrank haben. Stattdessen beschäftige ich mich mit der Verpflasterung der sich langsam entzündenden Sand-Fly-Stiche an Giselas Beinen.
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[12. März] Nelson wolkig 20 °C

Der Weinverzicht am Vorabend hat sich ausgezahlt, und so machen wir uns gut ausgeschlafen auf den Weg nach Nelson. Ich verlasse mich heute komplett auf das Navi, weil ich ihm zuvor genaueste Anweisungen in Form von detaillierten Systemeinstellungen und Zielangaben gemacht hatte. Ich wäre zwar Teile der Strecke so nicht gefahren, doch schließlich stellen wir unser Wohnmobil auf dem Parkplatz der i-Site neben dem Büro des AAA und einem Simply New Zealand Laden ab. Von hier aus laufen wir direkt die hübsche Trafalgar Street hinunter bis zum gleichnamigen Memorial und der Kirche. Leider ist heute kein Markt, da hatte ich mich insgeheim drauf gefreut. Dafür stolpern wir über eine German Würstchenbude, die aber leider noch geschlossen hat.

Vom Parkplatz ist es nicht weit bis zum Mittelpunkt Neuseelands am Ende der Milton Street. Ausgeschildert ist der Mittelpunkt, er befindet sich anscheinend auf dem neben dem Branford Park liegenden Berg. Der Fußweg hinauf ist gesperrt. Ist vielleicht auch besser so, denn der Aufstieg sieht sehr beschwerlich aus.

Deshalb fahren wir lieber zum Founders Heritage Park, der liegt weiter nördlich im weiteren Verlauf der Milton Street. Direkt vor dem Eingang ist ein Parkplatz, auf dem auch Wohnmobile parken dürfen. Das Parken ist in den Städten manchmal ein Problem. Der Park ist ein sehr schön hergerichtetes Freilichtmuseumsdorf, in dem die neuseeländische Gründerzeit der weißen Einwanderer gezeigt wird. Unter anderem ist Großmutters Bäckerladen mit angeschlossener Backstube und der Saloon richtig in Betrieb. Die Auslagen im Laden des Kolonialwarenhändlers sind hinter einer Glasscheibe zu bewundern. Die schmucken Häuser sowie die Gartenanlage werden liebevoll von Privatleuten gepflegt. Der Eintritt beträgt 7 Dollar.

Eigentlich wollten wir auf dem Top 10 Platz in Richmod die Nacht verbringen, doch der Platz liegt direkt an dem viel befahrenen State Highway 6. Nein, dann fahren wir lieber die 50 Kilometer zurück nach Motueka. Der Holiday Park dort wird bei jedem Besuch schöner. Zuvor bummeln wir aber noch durch die nebenan gelegene Richmond Mall, nach dem ich zwei Mal vergeblich versucht hatte, das Wohnmobil in einen Pkw-Parkplatz zu operieren. Unser rollendes Heim ist mit seinen 6,80 m einfach zu lang, um in normale Parkbuchten des Shopping Centers zu passen. Auf dem angrenzenden Pak'n Save Parkplatz belegen wir wieder vier Parkplätze und nutzen die Gelegenheit, um die Vorräte aufzufüllen. Auf dem Heimweg nach Motueka spielen sie doch tatsächlich die deutsche Version der 99 Luftballons von Nena. Warum bleiben wir eigentlich nicht eine ganze Woche oder sogar gleich ganz hier. Wir haben uns in Motueka und seine Umgebung verliebt.

Der Himmel zieht sich am Abend mit schwarzen regenschwangeren Wolken zu und gleichzeitig bläst ein immer stärker werdender Sturm durch die Bäume. Hoffentlich können wir trotzdem schlafen. Zuvor gibts aber noch einer Runde Pflaster auf die Beine mit den Sand Fly Stichen, heute mit einer Salbe aus der Reiseapotheke.
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[13. März] Motueka ⇒ Kaikoura sonnig 22 °C

Der Sturm hat sich am Morgen wieder gelegt, der Himmel klart auf, und wohl auch deshalb gab es mit 10 Grad die bisher die kälteste Nacht. Die Strecke nach Kaikoura führt uns ein letztes Mal um die Tasman Bay herum und an Nelson vorbei. Am liebsten würde ich wegen des tollen Panoramas noch einmal hin und her fahren. Die Bay mit den vom Horizont immer näher heranrückenden Bergen bis Nelson ist einfach nur schön. Auf dem State Highway 6 schrauben wir uns auf schmalen Serpentinen hinauf und ins Gebirge hinein.

Oben sind die Straßen sehr gut ausgebaut. Gleich hinter der Pelouros Bridge ist links ein Parkplatz mitten im Regenwald, gegenüber liegt der gleichnamige Campingplatz. Wir steigen aus und schauen uns die einspurige Brücke und die kleine Schlucht des Pelouros Rivers genauer an. Wenn die Fahrzeuge über die Brücke donnern, haben wir das Gefühl, die Schwingungen der Brücke katapultieren uns gleich in die Höhe. Der Fluss selber führt nur wenig Wasser.

Ab hier wird die Landschaft karger und die eigentlich wohl grünen Hügel zeigen sich mit braunem, vertrockneten Gras bewachsen. Später, als wir die bis zum Horizont reichenden grünen Weinfelder durchfahren, erreichen wir bald Blenheim. Die Namen der Weingüter kommen uns von den Weinregalen der Supermärkte bekannt vor. Am liebsten würden wir ja mal den einladenden Schildern zur Weinprobe folgen. Doch dann muss man entweder hier übernachten oder mit dem Bus herkommen. Hinter Blenheim Richtung Süden schließt sich neben dem State Highway 1 eine karge, braune, nicht enden wollende Hügelkette an. Man merkt auch hier sehr deutlich, dass es seit Wochen nicht mehr geregnet hat.

Und dann, plötzlich hinter einer Rechtskurve, gibt die Hügelkette den Blick auf den Pazifik frei und die scheinbar endlos lange Küstenlinie. Die Straße führt nun meistens direkt am Ozean entlang. Auf der anderen Seite folgt alsbald Regenwald bis hinauf in die direkt sich auftürmenden Berge. "Great Ocean Road" kommt mir gleich wieder in den Sinn. Rastplätze gibt es zwischen Blenheim und dem Pazifik überhaupt nicht, man muss Geduld haben, bis die Küstenstraße erreicht ist, dann folgen viele schöne Stellen. Irgendwann erreichen wir Kaikoura und mieten uns für zwei Tage auf dem Top 10 Holiday Park ein. Der liegt genau zwischen der SH 1 und der Bahnlinie, die hier direkt am Ozean entlang führt. Straßenlärm nehmen wir nicht wahr, doch die Eisenbahn scheint mitten durch die Anlage zu fahren.

Weil die Schiffe immer früh ausgebucht sein sollen, besorgen wir uns heute noch die sündhaft teuren Tickets für das Kaikoura Whale Watching morgen früh zu 9:30 Uhr. Das Ticket-Center ist im Bahnhof untergebracht, der Top 10 Platz liegt genau gegenüber, nur durch die Schienen - und einer Mauer - getrennt. Trotzdem gibt es keine direkte Verbindung, man muss einen ganz schönen Umweg in Kauf nehmen. Am Bahnhof gibt es viele Parkplätze, die so groß bemessen sind, dass wir mit unserem Wohnmobil auch Platz finden.

Anschließend fahren wir noch bis zum Ende der Kaikoura Halbinsel, sie ist einfach ein Muss. An deren Ende liegt ein ebenfalls ein großer Parkplatz, auf dem wir ebenfalls Platz finden. Ein Seelöwe rekelt sich in der Sonne auf einem Felsen am Strand und lässt sich überhaupt nicht von den Touristen stören. Manche versuchen sogar so nah mit ihrem Fotoapparat auf seinen Pelz zu rücken, dass sie ihr Spiegelbild in seinen Augen sehen können. Im Wasser tobt eine Gruppe von Seelöwen herum.

Vom Parkplatz aus führt ein befestigter steiler Weg hinauf auf den Felsen. Oben werde ich belohnt mit einem grandiosen Panorama über Kaikoura und die dahinter emporwachsende Bergkette, der Seaward Kaikoura Range. Jetzt, im Spätsommer, liegen dort oben immer noch Schneereste. Wie schön es mit der Schneehaube im Frühjahr aussieht, kann man auf den einschlägigen Postkarten bewundern. Gegen Abend bezieht sich der Himmel, hoffentlich scheint morgen wieder die Sonne.
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[14. März] Kaikoura sonnig 28 °C

Natürlich scheint am Morgen die Sonne, der Himmel ist blau, der Ozean ist ruhig. Heute wollen wir Wale sehen. Um es kurz zu machen: Wir sehen keine Wale. Nicht einen. Auch keine Delfine. Nur zwei Albatrosse. Der Skipper fährt kreuz und quer auf dem Pazifik herum, lässt Horchapparate ins Wasser. Nichts. Das Meer ist recht ruhig, das Schiff schaukelt nur, wenn es fährt, also ideales Fotografierwetter. Doch es ist nichts zu sehen von den größten Meeressäugern der Welt. Eine Videoshow im Inneren des Schiffes zeigt uns, wie es ausgesehen hätte, wenn wir Wale zu Gesicht bekommen hätten. Nach drei Stunden sind wir wieder zurück und lassen uns die 80 % des Preises zurückgegeben. Schade. Nun gehören wir also den 5 % an, die keine Wale gesehen haben.

Ob das Einchecken am Morgen immer so lange dauert, weil die vorher schon wussten, dass keine Wale in der gegen sind, weiß ich nicht. Eigentlich sollte um 9:30 Uhr Boarding Time sein, stattdessen wurden wir in einen sog. briefing room geschickt. Hier läuft ein Wal-Video. Da immer mehr Leute kommen, wird es so stickig, dass einem schlecht wird. Laufend kommen Durchsagen, man solle sich in diesem Raum einfinden. Kurz nach 10 Uhr wurden wir über die verschwundenen Wale informiert und anschließend trotzdem mit Bussen zum Hafen gefahren. An Bord des Katamarans wurden wir dann mit einem Wal-Video und Live Kommentar unterhalten. Ca. 1 Stunde lang ging die Fahrt hinaus auf den Pazifik. Obwohl das Wetter ruhig war, wurden wir ordentlich durchgeschüttelt. Wie gesagt, auch Stellungswechsel halfen nichts, heute tauchten keine Wale auf.

Weil unser Wohnmobilstandplatz diesmal sehr günstig vor den Sozialeinrichtungen des Holiday Parks liegt, betreiben wir mal wieder Camperstudien. Da sind die Neuseeländer, die barfuß zur Dusche gehen und sich beim Rückweg die frisch geduschten Füße wieder schmutzig machen, weil sie immer noch barfuß laufen. Die Wege zur Dusche sind mit Split aufgefüllt und uns wird ganz anders, wenn wir uns vorstellen, wir müssten barfuß darüber hinweg laufen.

Die Duschen auf diesem Platz bieten eine Besonderheit, die, wenn man sie das erste Mal benutzt, nur Kopfschütteln auslöst, doch später zu einem kleinen Erlebnis werden kann. Vor der Duschkabine gibt es einen Münzautomaten. 50 Cent einwerfen, Knopf drücken. Ab jetzt hat man eine Minute Zeit, sich zu entkleiden - in der Zeit gibt es noch kein Wasser - nach dieser Minute hat man für 6 Minuten heißes Wasser. Da man ja unter der Dusche eventuell keine Uhr hat, kommt nach 5 Minuten ein kurzer Schwall kaltes Wasser als Warnung. Nach einer weiteren Minute kommt dann nur noch kaltes Wasser. Wer noch weiteres heißes Wasser benötigt, muss dann wieder raus aus der Duschkabine, 50 Cent einwerfen, Knopf drücken und wieder eine Minute auf das heiße Wasser warten.

Wir bereiten unser Abendessen immer im Wohnmobil zu, ist ja alles vorhanden und es ist gemütlich hier drinnen. Draußen geht gerade eine Frau mittleren Alters mit einem Netz Kartoffeln und einem Topf in die Küche. Ein paar Minuten später kommt sie mit den geschälten Kartoffeln im Topf zurück und geht zum Wohnmobil. Kurze Zeit später trägt sie die jetzt klein geschnippelten Kartoffeln in einer Pfanne in die Küche. Sie taucht wieder auf, als die Bratkartoffeln fertig sind, trägt sie ins Wohnmobil und kommt mit einer anderen Pfanne mit Fleisch zurück. Wir warten noch mit dem Abwaschen, bis sie mit dem gebratenen Fleisch wieder aus der Küche kommt und im Wohnmobil verschwindet. Als wir uns fertig machen zum Abendspaziergang sehen wir, wie sie mit einer Waschschüssel mit Pfannen und Tellern wieder auf den Weg in die Küche ist. Nebenbei gesagt, ist ihr Wohnmobil genauso groß wie unseres, auch ausgestattet mit einer Küche. Nein, wir werden wohl nie richtige Camper werden, deshalb brechen wir jetzt unsere Studien ab und laufen noch ein wenig in den Ort Kaikoura hinein und die Hauptstraße rauf und wieder runter.
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[15. März] Kaikoura ⇒ Picton sonnig 23 °C

Nach dem Frühstück, bei dem wir weitere Camperstudien betreiben konnten, nehmen wir wieder Fahrt auf Richtung Picton. Heute Morgen ist es etwas diesig, doch die Sonne kommt bald heraus. Die ersten 40 Kilometer nach Norden fahren wir auf der Küstenstraße durch eine wundervolle wilde Küstenlandschaft mit grünem Regenwald an den Berghängen. Wie abgeschnitten folgt dann über 30 Kilometer hinweg eine braune Hügellandschaft an der Küste; deshalb braun, weil es lange nicht geregnet hat. Dann biegt die Straße ab ins Landesinnere und es folgen weitere 50 Kilometer langweilige braune Hügellandschaften bis Blenheim.

Picton ist immer noch der kleine verschlafene Ort. Bis hierhin wird meine damalige Einschätzung bestätigt. Aber den Ort würde es auch ohne den Fährhafen geben, alleine schon deshalb, weil der Queen Charlotte Drive hier endet. Er bietet nämlich traumhafte Ausblicke auf die Marlborough Sounds.

Wir sind nur ein kleines Stück von Picton aus heraufgefahren, dennoch kommen wir an traumhaften Panoramen vorbei. Weniger traumhaft ist die Straße an sich, die nur aus Kurven besteht. Sie verlangt einem nicht unbedingt das fahrerische Können ab, wie die Straße bei Motueka zum Takaka Hill hinauf. Doch hier brettern Holzlaster um die Kurven, dass einem angst und bange wird.

Das schön hergerichtete Hafengebiet Pictons lädt immer noch ein, um auf einer Bank sitzend die ankommenden und abfahrenden Fähren zu beobachten. Für 16 Dollar essen wir in einer Art Kneipe für Rocker frischen red snapper und Pommes Frites (Fish & Chips) und bummeln etwas in die vielen Geschäfte auf der High Street. Auf der Hafenpromenade laden viele Bänke zum Ausruhen ein und so genießen wir unter einem Baum den Blick auf Wasser, Berge und die ein- und auslaufenden Fähren.

Da wir wieder den schön gelegenen Parklands Marina Holiday Park an der Waikawa Road ansteuern wollen, fahren wir die Straße zuerst geradeaus weiter am Queen Charlotte Sound entlang. Nach ca. 4 Kilometer taucht ein Schotterparkplatz oberhalb des Wassers auf, der auch Platz für unser Wohnmobil bietet. Eine Bank lädt uns ein, die grandiose Aussicht zu genießen. Schade, dass nicht gerade ein Fährschiff vorbei kommt. Es ist ganz still um uns herum, man kann kaum glauben, dass diese scheinbar abgeschiedene Wildnis nur ein paar Kilometer von Picton entfernt ist.
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[16. März] Picton sonnig 17 °C ⇒ Wellington wolkig 20 °C

Zum letzten Mal frühstücken wir auf der Südinsel. Wehmut mischt sich in den Kaffee. Wir hatten eine sehr schöne Zeit auf der Südinsel, die viel zu schnell vergangen ist. Am liebsten würden wir hierbleiben. Doch wir wollen ja heute noch zur Nordinsel, die Fähre ist gebucht.

Wir erleben Picton heute Morgen doch noch als lebendige Stadt, denn wir fahren kurz vor Schulbeginn zum Fährhafen. Es ist genauso wie in Deutschland, die Kinder aus dem Ort laufen blindlings über die Straße oder werden von ihren Müttern an den unmöglichsten Stellen aus dem Auto gelassen. Die anschließend weiterfahrenden Vorbilder achten dabei winkend auf ihre Kinder und weniger auf den fließenden Verkehr.

Wir sind mit die Ersten in der Wartezone der Interislander Fähre. Trotzdem ist unsere Reihe die letzte, die auf das Schiff kommt. Typisch. So kommen wir auch als Letzte auf Deck. Wir finden aber einen akzeptablen Aussichtsplatz am Heck. Es ist wieder ein Genuss, die ruhige Ausfahrt auf dem oberen Deck bei strahlendem Sonnenschein durch die Inselwelt bis zum offenen Meer zu beobachten.

Nach über einer Stunde und der letzten Kurve bei Arapawa Island erreichen wir plötzlich das offene Meer, die Cook Street. Der einem jetzt ins Gesicht peitschende Sturm ist besser von drinnen zu erleben. In der Ferne ist die Nordinsel schon im Blick und trotzdem wird es noch zwei Stunden dauern, bis wir wieder anlegen. Die Schlauen unter den Fahrgästen haben bis jetzt ihr Essen eingenommen, denn obwohl das Meer scheinbar ruhig ist, sieht man mal nur die Wolken ohne den Horizont, dann wieder nur das Wasser ohne den Himmel.

Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis, in den Naturhafen Wellingtons einzufahren und die Silhouette der langsam näherkommenden Hauptstadt anzuschauen. Der Sturm ist erstaunlicherweise geblieben und pustet mich fast vom Bug, als ich mit vielen anderen hier Fotos mache. Gegen 13:30 Uhr legen wir an. Die Stadt hatten wir bei der letzten Reise erkundet, sodass wir uns gleich auf den Weg nach Whanganui im Norden machen.
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Wie die Reise weitergeht, steht im Reisebericht Nordinsel 2010.
Wie das aktuelle Wetter in Neuseeland gerade ist, erfährt man beim Neuseeland Wetterdienst.
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